Zeitgemäßer Führungsstil als Wirtschaftsfaktor

AP Photo/Les Editions Albert Rene, Goscinny-Uderzo

Über die Generation Y wird überall vielfach berichtet. Zweifelsohne prägen die Veränderungen des Werte- und Visionsverständnis unsere Gesellschaft. Und sie dient auch immer wieder als Ausrede, warum Dinge nicht so funktionieren, wie man sie sich gerade wünscht.

Ein Merkmal der gesellschaftlichen Veränderung ist, dass der Anspruch auf persönliche Weiterentwicklung einen neuen Stellenwert bekommen hat. Er kann zum Entscheidungsmerkmal für oder gegen einen Arbeitgeber werden. Bekomme ich im Unternehmen A oder B die besseren Möglichkeiten für Trainings und Weiterbildung? Wird mir der Anspruch auf Elternzeit als Hindernis für meinen Karriereweg ausgelegt? Kann ich das Unternehmen davon überzeugen, mich bei meinem sozialen Engagement zu unterstützen? Kurz: wer Engagement will, muss Sinn bieten.

Die tägliche Kommunikation wird immer selbstverständlicher durch Smartphones und Konsorten geprägt. Hemmschwellen vor Obrigkeiten verschwinden, wenn es um Anweisungen,  Anregungen oder kritisches Feedback geht.  Auf der anderen Seite brauchen die jungen Leute viel Aufmerksamkeit in Form von persönlichen Gesprächen und individuellen Perspektiven.

Die Entstehung des Wandels wird von vielen Soziologen interpretiert. Für unser tägliches Miteinander – besonders im beruflichen Alltag – ist es hilfreich zu verstehen, was die Veränderung der Leitungskultur mit sich bringt.

Viele unserer Auftraggeber haben ihre Betriebe vor 30 und mehr Jahren gegründet und diese seither mit ihrer Handschrift geführt. Nur selten verstehen sie, warum sie ihre jungen Mitarbeiter auf einmal nicht mehr erreichen. Aus der Historie heraus ist das Gastgewerbe hierarisch: der Chef gibt den Ton an, dem Chef widerspricht man nicht, der Chef kontrolliert eher als dass er Vertrauen schenkt.

Statt zu fordern, dass sich die Gründergeneration den neuen Gegebenheiten bedingungslos anpasst und neues Selbstverständnis annimmt, sollte man für ein friedliches und respektvolles Miteinander plädieren.

Es ist die Aufgabe der Nachfolgegeneration, als Mediatoren zu fungieren. Als Werkzeug für eine erfolgreiche Zukunft ist ein zeitgemäßer Führungsstil erforderlich. Ein positives Arbeitgeberimage hat einen hohen Stellenwert, um Mitarbeiter zu finden, sie zu binden und zu motivieren. Welches Grundverständnis ist hierfür erforderlich? Die Mitarbeiter der Zukunft wollen Offenheit, Flexibilität, Verantwortung übertragen bekommen und brauchen ihre individuellen Ziele. Das Schaffen einer empathischen Vertrauenskultur durch Anteilnahme und der Freiheit, Fehler machen zu dürfen. Nur so können sie sich entwickeln und sich mit dem Unternehmen identifizieren.

Wodurch zeichnet sich eine Führungskraft der Zukunft aus?

Die Denkweise, sich hinter altbekanntem Regelwerk (‚das haben wir schon immer so gemacht‘) zu verstecken, ist wenig zielführend. Der Mensch rückt verstärkt in den Mittelpunkt, Abläufe und Prozesse stehen an Bedeutung hinten an. Der Gast spürt das menschliche Klima und fühlt sich unmittelbar wohler. Eine Führung mit Herz, Verstand und Empathie bedeutet, dass die Mitarbeiter wahrgenommen werden und entsprechende Anerkennung für ihre Leistungen erhalten.

Jeder ehrwürdige Patriarch wird bestätigen, dass ausschließlich weiche Faktoren nicht ausreichen. Die Vorgabe von klaren Richtlinien mit Erwartungen ist unverändert ein Teil des Erfolges. Der Unterschied zur Führungskultur von vor 30 Jahren besteht darin, dass Prinzipien auf andere Weise übermittelt werden. Erfolgreich wird jede Führungskraft durch Zuhören, Freude an der Gestaltung von Beziehungen sowie ausgeprägter Kommunikationsfähigkeit: allerdings auch durch die Vorgabe von deutlichen Richtlinien mit Erwartungen. Es hilft, seine Vorstellungen mit Charisma sowie Überzeugungsfähigkeit zum Ausdruck zu bringen. Ziel eines jeden Leaders ist es, ein Team hinter sich zu binden, das für ihn durchs Feuer geht. Eine Wechselbeziehung, die in positiver Ausstrahlung mit Lebensfreude und Menschenkenntnis ihre Basis findet. Ja, auch Neugierde am Gegenüber ist essentiell.

Warum werden diese Thesen zur Führung aus betrieblicher Sicht immer wichtiger?

Die Kosten für Fluktuation und Krankenstand haben einen direkten Einfluss auf das betriebliche Gesamtergebnis. Im Gastgewerbe müssen mit mindestens 5.000 € bis 6.000 € pro Mitarbeiter für Fluktuation gerechnet werden (Management in der Hotellerie und Gastronomie: Betriebswirtschaftliche Grundlagen, Karl Heinz Hänssler). Hierbei ist es unerheblich, ob die Kündigung vom Arbeitgeber oder vom Arbeitnehmer ausgegangen ist. Diese Beträge setzen sich durch kostspielige On- und Offboardingprozesse, wie auch Doppelschichten durch die Kollegen, Know-How-Verlust etc. zusammen.

Das Verhalten zum Vorgesetzten ist immer noch Kündigungsgrund Nr. 1, laut Centre of Management and Orginazation Effectivness. Auch aus diesem Grund ist ein gesundes Betriebsklima nicht nur nett, sondern vor allem auch ein Wirtschaftsfaktor: das Führungsverständnis unserer Mitarbeiter muss berücksichtigt werden.

Für unseren Nachwuchs, die Generation Y ist das Leitbild ein wichtiges Merkmal zur Orientierung auf dem Arbeitsmarkt. Um sich für einen Arbeitgeber zu entscheiden, sind Führungskriterien, also das Selbstverständnis im Bereich ‚Leadership‘ wesentlich. Folgende Aspekte geben den Ausschlag: Unterstützung mit dem Anspruch auf Karriereplanung, Einsatz und Verstärken von Potentialen der Mitarbeiter sowie eine effektive und effiziente Gestaltung der Organisation, um damit Verschwendung von Ressourcen zu vermeiden.

Der erste Schritt zur Neuorientierung

Überdenken Sie die eigene innere Einstellung gegenüber dem Gegenüber. Ist man wirklich und aufrichtig kritikfähig? Ebenso gehören dazu der Dialog (und nicht die Diskussion), das (aktive) Zuhören und der (transparente) Respekt vor fremden Meinungen. Mit diesen ‚Werkzeugen‘ werden Missverständnisse, unklare Zielvorstellungen und getrübte Stimmung zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter deutlich verringert.

Um diese Mechanismen in der Praxis aktiv einzusetzen, ist es hilfreich den Spiegel von außen zuzulassen. Fragen in die Runde: ‚Wie wurde mein Verhalten von Euch wahrgenommen? Habt Ihr meine Aussage auch so verstanden, wie ich es gemeint hatte? Seid Ihr Euch über Intention und Konsequenzen der Maßnahme XY im Klaren?‘ Ein echter Dialog findet dann statt, wenn das Ende des Gesprächs zu Beginn noch nicht absehbar ist. Es klingt selbstverständlich, wird immer noch zu selten umgesetzt, denn dazu gehört Mut und Souveränität. Mit diesem Schritt, die Mitarbeiter auf Augenhöhe mit ins Boot zu nehmen, dokumentiert man seinen ethischen Führungsanspruch und erntet dafür auch Leistung mit Leidenschaft. Das Überlassen und Entwickeln von Zielen in die Hände derer zu geben, die es im Alltag leben sollen, beweist Vertrauen in seine Mitarbeiter. Loyalität und Einsatzbereitschaft sind der Dank.

Gibt es Schöneres als dieses zu erfahren? Und genau diesen Anspruch hat unsere Generation Y – hier schließt sich der Kreis auf einer gewinnbringenden Ebene für beide Seiten.

Bettina von Massenbach Bettina von Massenbach, OYSTER hospitality management http://www.www.oysterculinary.com

Wir begrüßen Bettina von Massenbach als neues Mitglied im FCSI Deutschland-Österreich e.V. http://www.fcsi.de