Dieses Fazit zogen die rund 500 Gäste beim hotelforum-Galaabend am Mittwoch, 9. Oktober 2019 zum Ende der Expo Real – ein weiser Spruch, den viele FCSI-Berater und -Planer ihren Kunden als guten Rat mit auf den Weg geben können.

Mit den Gewinnern freuen sich: (Titelbild, von links): Michael Widmann (Geschäftsführer PKF hotelexperts), Harro Grimmer (Geschäftsführer MPP Meding Projekt Plan und Sprecher hotelforum-Jury), Tobias und Peter Schgaguler (beide Schgaguler Hotel), Dr. Steen Rothenberger (LINDLEY LINDENBERG), Mario Maxeiner (IHG Vertreter), Andreas Martin (Geschäftsführer hotelforum management).

Schgaguler Hotel in Kastelruth, Südtirol, ist „Hotelimmobilie des Jahres 2019“

Expo RealHöhepunkt der Abendveranstaltung war die Preisvergabe „Hotelimmobilie des Jahres 2019“, die in diesem Jahr zum 17. Mal vergeben wurde (Foto rechts & Titel: Walter Glück). Als Gewinner durfte sich dieses Jahr das Schgaguler Hotel im Südtiroler Kastelruth freuen. Ausschlaggebend für Entscheidung der kritischen Jury war zum einen die konsequente stilistische Umsetzung der Neupositionierung eines nicht mehr zeitgemäßen Apartmenthotelkonzeptes durch den Architekten Peter Pichler. Auf der anderen Seite fand Beachtung, dass es der Inhaberfamilie Schgaguler gelungen ist, gleichzeitig mit dem Bauvorhaben einen Generationswechsel von der Eltern-generation an die vier Kinder zu vollziehen. Davon zeichnen drei Kinder für das Tagesgeschäft verantwortlich und der älteste Bruder ist als Fotograf maßgeblich für die Innengestaltung des Hotels mitverantwortlich, während sich die Eltern weiterhin auch um die persönliche Betreuung der Feriengäste kümmern.“

Expo Real hotelforumDas Schgaguler Hotel mit 42 Zimmern befindet sich im historischen Ortskern von Kastelruth, das als Tor zu den Dolomiten gilt. Es wurde von dem jungen Architekten Peter Pichler, der bei Zaha Hadid und Rem Koolhaas in die Lehre ging, von Grund auf überarbeitet und verfügt über eine einfache aber vor allem zeitlose und stimmige Architektur-sprache, die auf Folklore verzichtet. Das ikonische Grundgerüst des Hauses mit den drei Giebeldächern aus dem Jahr 1984 blieb in seiner Form bestehen. Mit seiner steinähnlichen Textur und leicht grauen Farbe erinnert der Verbundwerkstoff der Fassade an das Gestein der Dolomiten, von denen der Ort umgeben ist. Die Innenraumgestaltungen verbinden sich durch das gemeinsame Ziel, einen Ort der Inspiration, Regeneration und Kontemplation zu schaffen. Der Minimalismus ist ein Pendant zur Reizüberflutung des Alltags. So wurden Räume geschaffen, die Selbstreflexion fördern und Überflüssiges eliminieren. Zudem wurden bei der Revitalisierung der Bestandsimmobilie überwiegend lokale Materialien in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Unternehmen verwendet. Fast alle Bereiche des Hotels sind barrierefrei gestaltet.

Bild: Thomas Schgaguler

Wettbewerb mit internationaler Reputation

Andreas Martin, Geschäftsführer der hotelforum management GmbH und Initiator der Veranstaltung, darf stolz darauf sein, wie sich der Award in den vergangenen Jahren entwickelt hat. 51 Hotelbewerbungen aus 14 europäischen Ländern stellten sich in diesem Jahr dem Votum der interdisziplinär besetzte 19-köpfige Jury. Entscheidend bei der Auswahl war ein gelungenes Gesamtkonzept aus Architektur und Gestaltung, Integration in das Projektumfeld, Nachhaltigkeit und technische Innovationen und die Originalität des Konzeptes. Einen hohen Stellenwert haben die Aspekte der Wirtschaftlichkeit, denn ganz bewusst wollen die Veranstaltung eine fundierte Entscheidung treffen, „bei der nicht wie einem Designpreis das schönste Bild entscheidet“, so Michael Widmann, Geschäftsführer PKF hotelexperts.

ExpoZu den 10 Finalisten zählten dieses Jahr vier Nominierte aus Deutschland und sechs aus weiteren europäischen Ländern, darunter das Radisson Collection Hotel, Tsinandali Estate in Georgien (Bild links). In diesem Projekt – zwei abenteuerliche Autostunden von der Hauptstadt Tiflis entfernt – wurde das Ensemble aus historischem Gemäuer des alten nationalen Weingutes Tsinandali und einem neuen Hotelgebäude verbunden. Über die Nominierung freut sich FCSI-Präsident und KDREI-Geschäftsführer Frank Wagner. Das Team von KDREI mit Sitz in Berlin wurde 2012 mit der Beratung und Planung der gastronomischen Bereiche inklusive der drei Restaurants und Bars beauftragt und hat das Projekt bis zum Soft-Opening im letzten Winter betreut und begleitet.

Die Qual der Wahl fiel den Juroren in diesem Jahr nicht leicht. Beeindruckt hat sie unter anderem die hohe Dichte an Qualität, aber auch die Innovationskraft zahlreicher Quereinsteiger: „Waren es in den ersten Jahren viele langweilige Hotelkonzepte, wären in diesem Jahr mindestens 20 preiswürdig gewesen“, so Martin. Festzustellen ist, dass der Anteil der Ferienhotellerie unter den Wettbewerbsteilnehmer kontinuierlich gestiegen ist, und es keineswegs immer die „Großen“ sind, die mit den besten Chancen in den Ring steigen – das Gewinnerhotel benötigt in allen Disziplinen Höchstnoten.

Die Mischung der drei Finalisten aus Neubau, Umnutzung und Profilierung eines Ferienhotels spiegeln aktuelle Trends wider. Das Schgaguler Hotel repräsentiert die Neupositionierung eines Bestandshotels. Das InterContinental Lyon steht für die Umnutzung eines imposanten Krankenhauses aus dem 18. Jahrhundert. Alleine 1.400 Fenster hat das Gebäude, und 15.000 qm Dachfläche waren zu sanieren. Das 144-Zimmer-Hotel ist allerdings deutlich mehr als eine Luxusherberge für betuchte Touristen. Es ist auch ein Beispiel gelungener Stadtentwicklung: Mit dem Haus und der dazugehören Gastronomie ist das Quartier wiederbelebt und auch für die Einheimischen interessant geworden.

Das LINDLEY LINDENBERG schließlich ist ein Neubau im Osten von Frankfurt am Main, im aufstrebenden Viertel um die Europäische Zentralbank. Die Hälfte der diesjährigen TOP 10 sind klassische Neubauten, während die anderen fünf Nominierten aus Neupositionierungen bestehender Hotels oder der Umnutzung historischer Bausubstanz entstanden sind. Angesprochen bei der Ausschreibung des Preises waren sowohl Hotelentwickler als auch -eigentümer und -betreiber. Bewerben konnten sich zwischen Januar 2018 und Juni 2019 eröffnete Häuser.

Kreatives Co-Working und Co-Living

Voll im Trend liegt das Frankfurter LINDLEY LINDENBERG. Es setzt auf das Erlebnis einer Gästegemeinschaft, in der Langzeitmieter und Übernachtungsgäste nicht nur ihre Zimmer, sondern auch eine Vielzahl an Gemeinschaftsräumen miteinander teilen und nutzen. Die 100 Gästezimmer sind in ihrer Größe deswegen auf das Wesentliche beschränkt. Das Hotel mit nur versteht sich als Ort des so genannten „Collaborative Living“, bei dem Zugang eine größere Rolle als Besitz spielt und erfüllt den gesellschaftlichen Bedarf nach gemeinschaftlichem Wohnen und Arbeiten. In ihrer bunten Unterschiedlichkeit werden die Aufenthaltsräume der Gemeinschaftsbereiche das Pendant zum eigenen Wohn-, Ess- und Hobbyzimmer, zur Küche sowie zum Büro. „Die gemeinschaftlich genutzten Orte bilden den Kern dieses Hauses und schaffen zudem – vertikal hinter einem gläsernen Schaufenster angeordnet – eine Verbindung zur Außenwelt“, so Andreas Martin. Das LINDLEY LINDENBERG verfügt weiterhin über eine eigenes Kräutergewächshaus und bezieht Obst und Gemüse aus der regionalen Landwirtschaft. Orangensaft wird daher nicht angeboten. Viele der im Haus verarbeiteten Stoffe, wie Bett- und Kissenbezüge und Wäschebeutel werden in Sierra Leone von ehemaligen „Sowies“ (Beschneiderinnen) produziert, denen damit eine neue berufliche Perspektive eröffnet wurde.

Schon heute darf man auf den Wettbewerb 2020 gespannt sein. Im kommenden Jahr findet das hotelforum am Mittwoch, 7. Oktober, statt. Weitere Informationen unter www.hotelforum.org.

Die in diesem Jahr nominierten Hotels in alphabetischer Reihenfolge:

  • Andaz Vienna Am Belvedere (Wien, Österreich)
  • Hotel Indigo Milan – Corso Monforte (Mailand, Italien)
  • InterContinental Lyon – Hotel Dieu (Lyon, Frankreich)
  • JAMS Music Hotel Munich (München, Deutschland)
  • Krønasår – The Museum-Hotel (Rust, Deutschland)
  • LINDLEY LINDENBERG (Frankfurt am Main, Deutschland)
  • Radisson Collection Hotel, Tsinandali Estate Georgia (Zinandali, Georgien)
  • Scandic Kødbyen (Kopenhagen, Dänemark)
  • Schgaguler Hotel (Kastelruth, Italien)
  • Schulz Hotel Berlin Wall (Berlin, Deutschland)

Die Preisträger „Hotelimmobilie des Jahres“ bisher:

QO Amsterdam (2018), Bretterbude Heiligenhafen (2017), Reichshof Hamburg CURIO Collection by Hilton (2016), Hotel Zoo Berlin (2015), Holzhotel Forsthofalm Leogang, Salzburger Land (2014), Radisson Blu Hotel Nantes (2013), Hotel TOPAZZ Wien (2012), 25hours HafenCity Hamburg (2011), Roomers Frankfurt (2010), Lindner Park-Hotel Hagenbeck (2009), 25hours Frankfurt (2008), Schloss Elmau Luxury Spa & Cultural Hideaway (2007), Hotel Daniel Graz (2006), Colosseo Erlebnishotel Rust (2004), Rocco Forte Hotel Amigo Brüssel und Accor Suite Hotel Hamburg (2003), Hilton Köln (2002).

2 Kommentare
  1. Sven Bucher
    Sven Bucher sagte:

    Ich denke, dass es für Hotelimmobilien ausschlaggebend ist, wie die Architektur und Gestaltung der gesamten Anlage beschaffen ist. Bei der Wahl einer Immobilie kann man auf die Hilfe eines Sachverständigen setzen, welcher diese Feinheiten zu berücksichtigen weiß. Wie Sie bereits erwähnen, liegt der Trend bei längerfristigen Gästen klar bei der Einbindung untereinander durch die Nutzung gemeinschaftlicher Räume. Vielen Dank für Ihren Beitrag!

  2. Uwe
    Uwe sagte:

    Dem kann ich nur zustimmen. Ausschlaggebend ist es, dass die Ausstattung und Architektur stimmig sind und Gäste sich in den jeweiligen Zimmern und Gemeinschaftsräumen wohl fühlen. Auch bei einem längeren Aufenthalt.

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