Die Leidenschaft der Deutschen fürs Reisen bleibt laut BTW-Tourismusindex ungebrochen. Zwischen Januar und April 2019 haben Privatreisende rund 408 Mio. Tage auf Ausflügen und Reisen verbracht; 1,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr prognostiziert der aktuelle Tourismusindex des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), dass sich diese Entwicklung trotz dunkler werdenden Konjunkturwolken auf ähnlichem Niveau fortsetzen wird.

Gleichermaßen beliebt sind in diesem Sommer die Küstenregionen von Nord- und Ostsee wie auch der Alpenraum. Allerdings hat man dort begonnen, sich Gedanken zu machen, wieviel Tourismus auch für die Einheimischen verträglich ist und wie sich nachhaltiger Tourismus langfristig entwickeln lässt. Sorgen bereitet, dass sich fotogene Plätze in den Alpen durch die Bilder von „Influencern“ zu Instagram-Hotspots entwickeln, die einen massenhaften Besucheransturm verursachen. Experten warnen vor „Overtourism“, der auch auf der ITB 2019 ein großes Thema war.

Vor diesem Hintergrund stellt sich für Touristiker, Hoteliers, Investoren und Berater die Frage: wohin geht die Reise im Alpentourismus? Zu Trends, Ideen und Chancen für das Jahr 2030 referierte Mag. (FH) Karl Silly auf dem Tiroler Wellnesskongress am 23. Mai 2019. Der Leiter Geschäftsbereich Firmenkunden bei der Bank für Tirol und Vorarlberg Aktiengesellschaft (BTV) am Standort Innsbruck ist überzeugt, dass der alpine Tourismus vor einem großen Wandel steht. Aufgezeigt wurden sieben Trends, die bis ins Jahr 2030 Einfluss auf alltägliche Abläufe, die Arbeitswelt und das Reisen haben werden.

Intakte Natur allein genügt nicht mehr – die Inszenierung des Ortes gewinnt an Bedeutung.

Gesunde Erholung boomt – Kraftplätze, Spiritualität und Rituale werden in das Urlaubserlebnis eingebunden.

Individualisierung ist gefragt – der Gast erwartet künftig hochgradig personalisierte Angebote.

Menschen fahren dahin, wo es schön ist. Dazu gehört u.a. die nahtlose Einbettung eines Hotels in die Natur

Das Hotel wird zunehmend zum gesellschaftlichen Treffpunkt und zum Ort interaktiver Begegnung.

Virtuelle Realitäten und Erlebnisse vermitteln das Gefühl von Abenteuer.

Hightech wird in allen Bereichen des Tourismus ankommen.

Worauf aber müssen sich Hoteliers, Investoren und Berater einstellen, um zukunftsfähige Projekte zu entwickeln? Wie das Hotel der Zukunft in den alpinen Regionen aussehen könnte, damit beschäftigt sich das alpenübergreifende Forschungsprojekt „Alpen FutureHotelY“, das mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation unter Beteiligung der Vierländerbank BTV (D-A-CH & Südtirol) und der Explorer Hotels Entwicklungs GmbH durchgeführt wurde.

Ziel der Initiative war es, neue Hotelprojekte nicht nur auf der Basis von bestehendem Wissen und Erfahrungen aus der Vergangenheit aufzubauen, sondern den Fokus auf die Zukunft zu legen. Diese Perspektive gewinnt zusätzlich an Bedeutung, dass der Tourismus heute die Leitindustrie und ein wichtiger Arbeitgeber im Alpenraum ist, gleichzeitig aber der Fachkräftemangel sich als roter Faden über alle Grenzen hinweg zieht. Die Autoren stellen fest:

„In den vergangenen Jahren sind einige touristische Betriebe ausgestorben – nicht, weil ihnen die Gäste ausgeblieben sind, sondern die Mitarbeiter.“

Entwickelt wurden 5 Prototypen für Hotels der Zukunft, die Gäste anziehen und begeistern werden.

Das Alpenauszeit Y Hotel hat als Wellnesshotel der Zukunft hohes Marktpotential. Die potentiellen Gäste wünschen sich ein Angebot, das weit über das frühere, klassische „Verwöhn-Wellnessprogramm“ hinaus geht. Sie brauchen Erdung, Erholung und ein authentisches Umfeld, in dem sie wieder zu sich kommen können. Dabei sollte die Lage des Hotels ein Gefühl von Exklusivität vermitteln, inmitten der Natur liegen, Ruhe ausstrahlen und Inspiration vermitteln. Schon heute denken einige visionäre Gastgeber und Gastgeberinnen über solche Konzepte nach, z.B. „Besinnen Beginnen“ in einem Hotel in Hinterthiersee (Tirol).

Der Ansatz für das Alpenauszeit Y Hotel ist personalintensiv, die Mitarbeiter sind die Basis für den Erfolg. Sie müssen auf dem aktuellen Wissenstand im Bereich Gesundheit, Wellness und Spiritualität gebracht und gehalten werden. Die Herausforderung wird es sein, die richtigen Mitarbeiter zu finden und sie angemessen zu entlohnen.

Das Alpen-Extra Y Hotel präsentiert sich als Hightech-Spiel- und Sporthotel, in dem virtuelle Realitäten und Erlebnisse das Gefühl von Abenteuer vermitteln. Um dem Gast die gewünschte Unterhaltung zu garantieren, muss auf einer großen Fläche innen und außen an vielen Stellen Spiel, Aktivität und Unterhaltung geboten werden. Begünstigt wird das Konzept durch eine umfangreiche touristische Infrastruktur, die im Umfeld angesiedelt ist und bestmöglich 24/7 verfügbar ist.

Auch hier sind die Mitarbeiter der Erfolgsfaktor: sie müssen genauso Spaß am Spiel haben wie ihre Gäste. Sie müssen mitfiebern und die Leidenschaft teilen können.

Neue TrendsDas Alpen-Matrix Y Hotel steht für ein sorgenfreies, maßgeschneidertes Gesamterlebnis inmitten der Natur für Highclass-Backpacker. Es könnte bereits heute schon umgesetzt werden, da es interessante Spots (Hütten, Höfe, Baumhäuser) für Gäste mit Abenteuergeist schon gibt. Allerdings stellt das Konzept eine Herausforderung für das Marketing da, da zum einen ein erklärungsbedürftiges Produkt angeboten wird, es sich aber zum anderen um ein Publikum mit Kaufkraft angesprochen wird.

Das Alpenzirkel Y Hotel ist das „Community-Hotel“ ist für den Netzwerker der übernächsten Generation – Gäste müssen sich hier bewerben, um am einmaligen Erlebnis teilzuhaben. Das Konzept greift die Thematik von Gründerzentren und Coworking-Zentren auf und nutzt dieses Marktpotential. Der Architektur des Hotels mit „cooler“ funktionaler Ästhetik kommt eine wichtige Rolle zu, was eine Umsetzung im Neubau notwendig macht. Wichtig ist hier ein Netzwerk aus charismatischen Persönlichkeiten. Der Hotelier ist Gastgeber und Community-Manager.

Das Hotel Alpenfreunde Y bietet generationenüberschreitenden Urlaub für Family & Friends. Da zahlreiche Konstellationen von Gästegruppen möglich sind (Freunde unter sich, Familie, Groß- und Patchwork-Familien), wird eine breite Kundenzielgruppe angesprochen. Zum Angebot des Zukunftsmodells Hotel Alpenfreunde Y gehört aber nicht mehr nur Kinder-, sondern auch aktive Seniorenbetreuung. Daraus ergibt sich allerdings auch ein erhöhter Unterstützungsbedarf für bestimmte Gästegruppen (u.a. Senioren, Pflegebedürftige), für die es besonders geschulte Mitarbeiter braucht.

Der demographische Wandel spricht für das Potenzial der Zukunft. Schon heute gibt es Leitbetriebe im Markt, die es geschafft haben, generationsüberschreitenden Urlaub in Perfektion anzubieten, wie z.B. die Sonnenalp im Allgäu, die in diesem Jahr ihr 100jähriges Jubiläum feiert.

Neue TrendsMit der Zukunft des Tourismus beschäftigt sich auch eine neue Trendstudie des Zukunftsinstituts.

Was bedeutet Reisen künftig, was erwarten Menschen vom Urlaub und wie löst man den Fachkräftemangel? Das sind einige der Fragen, welche die Zukunftsforscher beantworten wollen. „Resonanz“ ist für sie das Schlüsselwort. Die Nachfrage nach intensiven Reiseerlebnissen und transformativen Urlaubserfahrungen ist aus Sicht der Experten Ausdruck des immer wichtiger werdenden menschlichen Grundbedürfnisses nach Resonanz. Ihre Hypothese:

Nicht die weitere Optimierung digitaler Daten, sondern eine neue Kultur der „Hospitality“ ist gefragt, die Touristen ein freundschaftliches Angebot für Lebensqualität und gelingende Beziehungen macht.

Die Trendforscher konkretisieren vier Schritte zum Resonanz-Tourismus:

An erster Stelle steht das Angebot: Resonanz als transformative Erfahrung ist das Grundbedürfnis des Menschen in einer wir-kulturellen Gesellschaft. Wer sich auf eine Kultur der Resonanz einlässt, gewinnt neue Handlungs- und Wertschöpfungsmöglichkeiten.

Im nächsten Schritt geht es um die Destinationen: Tourismus-Anbieter sollten klären, welche Resonanzerfahrung sie und das gesamte (regionale) Ökosystem bieten können, in dem sich die Menschen rund um das jeweilige Angebot bewegen. Kooperationen und „Fluid Spaces“ formieren das Ökosystem des Resonanz-Tourismus.

Einen wichtigen Stellenwert hat die HR-Strategie: Die fordernden Arbeitsbedingungen im Tourismus machen die Fachkräftesicherung besonders schwer. Auch hier eröffnet eine Resonanz-Strategie neue Perspektiven. „Hospitality“ muss als Kern der Unternehmenskultur gelebt werden. Wer Führung als Dienstleistung und seine Angestellten als Partner versteht, macht den Resonanz-Unterschied.

Last but not least geht es um die Logistik: Jede Urlaubserfahrung fängt bereits bei der Buchung und der Anreise an. Wer schon dabei Resonanzerfahrungen möglich macht, hat einen qualitativen Wettbewerbsvorteil. Die „Seamless Journey“ ist kein Hexenwerk und schon gar keine Frage der Technologie, davon sind die Experten des Zukunftsinstitutes überzeugt.

NeueIm Interesse der Kunden über den Tellerrand zu schauen, ist seit 20 Jahren eine Stärke des FCSI Deutschland-Österreich e.V. Deshalb wird auch das Jubiläum grenzüberschreitend gefeiert: Die Jahrestagung 2019 findet vom 22. – 24. November in Meran statt. Ausführliche Informationen und Anmeldungen unter

 

Weitere Informationen zum BTW Tourismus-Index Sommer 2019 finden Sie

Das Buch „Der Alpentourismus der Zukunft – Trend, Ideen, Chancen im Jahr 2030“ ist im Haymon Verlag Innsbruck-Wien erschienen.

Informationen zur neuen Trendstudie „Resonanz-Tourismus“ finden Sie auf dem Portal des

Alle Bilder © Österreich Werbung / Titelbild: Andre-Schoenherr  Bilder im Text: Sebastian-Stiphout

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