Die Generation Y stellt für das Gastgewerbe eine mehrfache Herausforderung dar. „Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“ besagt eine Redensart. Dabei geht es zum einen um die Frage, wie man Millenials verstärkt als Gäste für die Gastronomie begeistern kann, zum anderen um ein Patentrezept, diese als Mitarbeiter zu gewinnen und sie bei der Stange zu halten.

FCSI Talk auf der Intergastra in Stuttgart

MillenialsDarüber diskutierte anlässlich der Intergastra am 6. Februar 2018 ein bunt gemischter Kreis unter der Regie des FCSI Deutschland-Österreich e.V. Typische Vertreter der Generation Y und erfahrene FCSI-Berater waren der Einladung zur Talkrunde „Let the Millenials rock the dining room! How to attract the next generation into the restaurant scenery“ gefolgt, die von Michael Jones, Chefredakteur des englischsprachigen Foodservice Consultants mit Sitz in London versiert moderiert wurde. Die EAME-Ausgabe (Europe, Africa & Middle East) des vierteljährlich erscheinenden Magazins wird von FCSI-Mitgliedern, Branchenkennern und Kunden gleichermaßen geschätzt. Zu den Gästen zählten Philipp Ghardi, Betreiber der Burger-Restaurants „The Bird“, Maike Huyken und Marius Zürcher mit ihrem Start-Up-Unternehmen 1520, Anna Hammer (24) und Patrick Dehner aus dem Team der Messe Stuttgart sowie der gelernte Metzger und Koch Marcus Beran (26). Von Seiten des FCSI saßen die Beraterinnen Bettina von Massenbach und Hildegard Dorn-Petersen sowie Martin Rahmann mit am Tisch. Für den auf internationaler Ebene frisch gewählten Präsidenten des weltweiten Verbandes ist die alle 2 Jahre stattfindende Intergastra ein Pflichttermin, der gerne wahrgenommen wird.

Millenials leben im virtuellen Raum

MillenialsPhilipp (im Bild links mit Anna) brachte es zum Start der Diskussion auf den Punkt: „Wenn Du nicht online bist, existierst zu überhaupt nicht.“ Der Partner der Bestseller-Autorin Dr. Steffi Burkhart erläuterte: „Der Kaufprozess findet im Internet statt.“ Dazu zählen selbstverständlich die eigene Website und Facebook. Instagram  hat deutlich an Bedeutung gewonnen. Das Problem ist, dass sich viele damit beschäftigen, die aus einer ganz anderen Generation kommen und somit keine Ahnung haben.

MillenialsDem konnte Marcus (Bild rechts) nur zustimmen, der selbst kleine You-Tube-Videos produziert: „Wenn ich essen gehe, überlege ich ob ich Lust auf Asiatisch, Italienisch oder einen Burger habe. Dann schaue ich mir das Speisenangebot im Internet an, das gar nicht groß sein muss und gerne auch mal witzig sein kann.  Wichtig ist es, dass ich sofort etwas finde, was mir Appetit macht. Wenn dann vor Ort die Qualität super ist und ich sogar noch überrascht werde, war das der Volltreffer.“ Völlig undenkbar für ihn und seine Generation ist eine Karte, auf der es weder vegetarische Gerichte noch ein veganes Angebot gibt. Da die Anzahl junger Leute mit Allergien und Intoleranzen steigt, hat er sich zum zertifizierten Diätkoch ausbilden lassen, und gibt Kurse sowohl für Privatpersonen wie auch für die Gastronomie.

Anna und Patrick aus dem Messeteam gehen gerne essen. Für sie ist es selbstverständlich, im Vorfeld Informationen im Internet zu sammeln. Was am Ende zählt, ist das besondere Erlebnis. Im Hinblick auf ihren Arbeitsplatz, liegt die Herausforderung darin, die Generation Y überhaupt zu einem Messebesuch zu motivieren. Da ist Aktion gefragt, vom rockenden Cocktailshaker bis zu Kochshows.

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Lerne Deine Kunden kennen

MillenialsDie aus dem Ruhrgebiet stammende Maike und ihr Partner Marius mit Schweizer Wurzeln, dessen Familie im Schwarzwald ein Hotel betreibt, sind Millenials durch und durch. Sie haben das Start-up-Unternehmen 1520 gegründet, um Dinge zu tun, die sie begeistern: Konzeptentwicklung mit Marketing, Event Management und Hotel- und Gastgewerbe , um genau zu ihrer Zielgruppe zu beraten. Darüber hinaus ist Maike Nuyken Expertin für vegetarische und vegane Küche in Hotellerie und Gastronomie.

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MillenialsBei der Umsetzung ihres Projektes haben sie sich mit dem früheren FCSI-Berater Erhard Trotter einen erfahrenen Mentor gesucht, der auch die Eltern bezüglich der Pläne ihrer Kids beruhigen konnte. Für ihn war es erfrischend und spannend zugleich, dass Maike und Marius etwas völlig Neues vorhatten – zugleich konnte er auf den fachlichen Background der beiden im Gastgewerbe vertrauen.

Gerade aufgrund des aktuellen Wirtshaussterbens in ländlichen Gegenden, ob im Schwarzwald oder an der Küste, kam das Gespräch auf die ursprüngliche Funktion, die ein Gasthaus früher in einer Gemeinde hatte: es war ein Platz, um Menschen zusammenzubringen, sich zu treffen und  gemeinsam Spaß zu haben. Marius schilderte die Misere der Millenials aus seiner Sicht: sie leben als Singles ohne Familie und gehen nicht in die Kirche. Deshalb brauchen sie einen Ort, wo sie andere Gleichgesinnte kennenlernen und es sich gut gehen lassen können. Dafür sind sie auch bereit, Geld auszugeben. Hier sieht Bettina von Massenbach die große Chance der Gastronomie: das ganzheitliche Erlebnis kann nur direkt vor Ort im Restaurant stattfinden. Aromen und kulinarische Genüsse kann man nicht online überbringen – höchstens online ordern, aber dann fehlt ein Teil des perfekten Szenarios.

Erfolgreich die Netze auswerfen

Millenials„No team – no dream!“ weiß Consultant Bettina aus ihrer eigenen beruflichen Erfahrung, von der Metropole London bis hin ins legendäre Tantris. Deshalb hat sie ihr Beratungsunternehmen auch Oyster hospitality management genannt – die Perlen sind die Mitarbeiter, die es zu finden gilt. Damit neue Teammitglieder künftig einen guten Start in ihrer gastronomischen Karriere hinlegen, hat sie gerade mit ‚Angel-Partnerin‘ Edith Roebers FCSI die „Hospitality Angels“ gegründet, um mit einem Mentoring-Programm auf die Wünsche, Ziele und Visionen der jungen Talente einzugehen. Auch das ist sicherlich ein Rezept im Umgang der jungen Generation: nicht jammern, sondern aktiv Programme anbieten, die beiden Seiten weiterhelfen. Dies bestätigte Philipp: er sucht ganz gezielt nach Talenten – und die sind häufig weiblich, was auch von anderen Talk-Teilnehmern bestätigt wurde.

Maike brachte es auf den Punkt:

„Nur wer wirklich versteht, was Millenials wirklich wollen, wird sie als Gäste oder auch als Mitarbeiter gewinnen können.“  Klingt gar nicht so schwer –  die Talkrunde konnte dazu sicherlich einen Beitrag leisten.

Danke an alle, die sich für die (in Englisch geführte) Talkrunde zur Verfügung gestellt haben.

Hildegard Dorn-Petersen FCSI als Impulsgeberin für den Talk bedankt sich bei Michael Jones, der extra aus London zu seinem erster Besuch auf der Intergastra wie auch in Stuttgart angereist war. Er zeigte sich sichtlich begeistert von der Attraktivität des Messegeländes, den lichtdurchfluteten Hallen und vom besonderen Flair dieser Messe.

Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Ausgabe Q2 des Foodservice Consultant, die voraussichtlich im Mai erscheinen wird und nach Veröffentlichung als PDF zum Download auf der FCSI Website zu finden sein wird.

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Unser Buchtipp:
„Die spinnen, die Jungen! Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y“ (2016) von Dr. Steffi Burkhart