Die Digitalisierung ist ein wichtiges Thema für die gastgebende Branche. Sie verändert die gesellschaftlichen Kommunikationsverhältnisse nicht schleichend, sondern transformiert diese rasant, weil neue Akteure wie die sozialen Medien hinzugekommen sind. Viele Schlagworte sorgen für Verwirrung, wie man nun eigentlich agieren oder reagieren soll. Dazu zählen: Digitale Transformation, Agiles Arbeiten, Content Marketing, New Work Industrie 4.0, Internet der Dinge, Datenschutz, Blockchain u.v.m.

Die Eroberung digitalen Neulands

Gerade die Hospitality Industry ist von diesem digitalen Strukturwandel besonders betroffen. Kaum eine Hotelbuchung geht heute ohne die Nutzung digitaler Anbieter von statten. Auf dem hotelforum in München, das am 7. 10. erstmals als hybride Veranstaltung vor allem online stattfand, bezog Keynote Prof. Dr. Klemens Skibicki zu diesem Thema Stellung. Aus seiner Sicht können digitale Prozesse in Zukunft u.a. dazu dienen, Mitarbeiter von der täglichen Routine zu entlasten und sich in Folge intensiv um den zu kümmern, der im Fokus aller professioneller Gastgeber seht: dem Menschen als sozialem Wesen. Dies ist etwas, womit die Hotellerie punkten kann und was Plattformen nicht haben: den persönlichen Kontakt, die Kommunikation und – mit und ohne Corona-bedingte Maske – das herzliche Lächeln und Willkommen. Der Gast von heute hat die Wahl, wo es ihn hinzieht. Er entscheidet mit einem Mausklick, für welches Hotel er sich entscheidet – zumeist allerdings aufgrund von Emotionen und nicht anhand von klaren Fakten, Vorteilen etc.

Auch der FCSI Deutschland-Österreich e.V. beschäftigt sich intensiv mit den Herausforderungen der Digitalisierung, für den Verband und seine Struktur, seine Mitglieder und jeden einzelnen. Im Rahmen der seit einigen Monaten etablierten Freitagsgesprächen laden Frank Wagner und Petra Rahmann zum Zoom-Meeting am 09.10.2020 von 9.00 Uhr bis 10.00 Uhr ein. Der Talk beschäftigt sich mit der Zukunft der Arbeit von Planern und Beratern im digitalen Büro.

 

hotelforum erstmals als hybride Konferenz

Mit den Herausforderungen von Corona und Digitalisierung zugleich musste auch das „hotelforum“ kämpfen. Die seit 18 Jahren etablierte europäische Fachkonferenz für Hotel- und Immobilien-experten zum Abschluss der alljährlichen Expo Real fand in diesem Jahr am 7. Oktober 2020 als hybride Konferenz, mit einer Live-Bühne und eingeschränkter Präsenz im Bayerischen Hof in München statt. Höhepunkt war die Preisvergabe „Hotelimmobilie des Jahres“.

Die Veranstalter konnten stolz sein: trotz Pandemie hatten sich 40 neue europäische Hotelprojekte beworben, in den Wettbewerb um die ausgezeichnete Immobilie einzusteigen. Davon kamen 10 in die Endauswahl, und die war im Querschnitt schon bemerkenswert. Von den 10 nominierten Hotels kamen 4 aus Deutschland, 3 aus den Niederlanden, zwei aus Kroatien und ein Haus aus Dänemark. Bemerkenswert für uns als professionelle FCSI-Berater, dass sich die Schiene der ausgewählten Betriebe deutlich von der Kettenhotellerie in Richtung inhabergeführter Häuser und die Ferienhotellerie verschiebt. Dies geht einher zu den aktuellen, Corona-bedingten Problemen der klassischen Stadt- und Tagungshotellerie.

Aus dieser besonderen Situation heraus blickte in diesem Jahr die gesamte Branche gespannt auf das Ergebnis intensiver Beratungen einer 19köpfigen Jury, in der sich unterschiedliche Experten aus verschiedenen Fachbereichen eine Meinung bilden und entscheiden müssen. Am Ende gab es drei Finalisten aus drei verschiedenen europäischen Ländern mit dem Grand Park Hotel Rovinj in Kroatien als Gewinner der Kür zur „Hotelimmobilie des Jahres 2020“. Auf Platz zwei und drei landeten das Lighthouse Hotel & Spa, Büsum, und Hotel Ottilia, Kopenhagen.

Grand Park Hotel Rovinj überzeugender Sieger

In Anbetracht der hohen Qualität der Bewerbungen war es aus Sicht von Andreas Martin, Geschäftsführer der hotelführung management GmbH, sehr bedauerlich, dass es „wie immer im Leben“ nur einen Sieger geben kann:

„Der diesjährige Preisträger überzeugt durch die gelungene Kombination aus klarer, moderner Architektursprache der kroatischen Architekten 3LHD aus Zagreb und die elegante, italienische Handschrift in der Innenarchitektur von Piero Lissoni und Partnern aus Mailand. Das Grand Park Hotel Rovinj ist so in die Umgebung eingebettet, dass sich für den Gast diverse spektakuläre Blickachsen in die Bucht und auf den Ort Rovinj ergeben. In Kombination mit der intensiven Bepflanzung des Gebäudes entsteht ein respektvoller Umgang mit dem hügeligen Küstenstreifen zwischen der Wasserlinie und den umgebenden Pinien.“

Andreas Martin (im Blick rechts) freute sich sehr, dass er Peter Lösch (im Bild links), Divisional Director Grand Park Hotel Rovinj, live auf der Bühne des Hotels Bayerischer Hof in München begrüßen konnte.

Das Grand Park Hotel Rovinj ersetzt das ehemalige Park Hotel und liegt leicht erhoben in einem Pinienhain an der Bucht von Rovinj, mit Blick auf die direkt vorgelagerte Insel Catarina und die malerische Altstadt von Rovinj. In den sechs Etagen des Hotels befinden sich 209 Zimmer und Suiten. Das Hotel bietet in den oberen Etagen, direkt angrenzend an die Hotellobby, zwei Bars und zwei Restaurants, darunter das Restaurant Cap Aureo Signature, das sich auf die Verarbeitung lokaler Gemüsearten spezialisiert hat, sowie drei weitere gastronomische Einrichtungen im Erdgeschoss des Hotelgebäudes, das sich mit diversen Boutiquen zur Marina hin öffnet. Zudem verfügt es in den beiden oberen Etagen über einen sehr großzügigen 3.800 Quadratmeter großen Wellness- und Spa-Bereich mit insgesamt drei Innen- und Außenpools, mit Blick über die Bucht von Rovinj.

 

 

 

 

 

 

Die Zufahrt und der Zugang in das Hotel erfolgen von der Landseite aus über die 5. Etage. Das Hotel hat eine extensive Tiefgarage, die in den Küstenfelsen eingebettet ist und auch über einen von der Marina Ebene zugänglichen öffentlichen Teil verfügt. Jan-Oliver Meding, geschäftsführender Gesellschafter MPP und Sprecher der hotelforum-Jury:

„Alle drei Finalisten zeichnet ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen für die Einbettung in das Gesamtumfeld der jeweiligen Hotels aus. Hotelentwicklungen bringen idealerweise neues Leben und Impulse in Quartiere und Nachbarschaften. Sie bleiben weder im urbanen Umfeld, noch in der natürlichen Umgebung als isolierte Solitäre in Erinnerung. Dies ist den Entwicklern und Betreibern aller drei Häuser gelungen.“

Erstmals drei hotelforum Finalisten aus verschiedenen europäischen Ländern

Moderator Martin stellt fest: „Ob Ferienhotels am Wasser oder innerstädtische Hotels, Europa wächst auch bei der Hotelarchitektur auf einem qualitativ hochwertigen Niveau zusammen. Bezeichnend für die aktuelle Marktsituation ist, dass zwei Hotels in Urlaubsdestinationen ins Finale gewählt wurden und ein Ferienhotel im zweiten Jahr in Folge als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgeht.“

Das Kopenhagener Hotel Ottilia ist im Zuge der Umnutzung der ehemaligen Carlsberg-Brauerei, mit einem Gebäudeteil aus dem Jahr 1881 und einem 1969 ergänzten Bau, im Stadtteil Carlsberg entstanden. Das 4-Sterne-Boutique-Hotel verfügt über 155 Zimmern und Suiten und bietet von der Dachterrasse mit Eventfläche einen freien Blick über die dänische Hauptstadt. Bei der Umwandlung der früheren Getreide- und Bierspeicher der ehemaligen Brauerei in ein Hotel, bestand die Herausforderung darin, die ursprünglichen Brauereielemente im Gebäude zu erhalten und in eine neue Nutzung zu überführen. So entstand zeitgemäßes, teilweise unerwartetes Design der dänischen Innenarchitekten Mette Fredskild und Morton Hedegaard, die die Geschichte und Architektur des Hauses widerspiegeln. Ein ursprüngliches Silo wurde in ein Kunstwerk mit Spiegeln und Wasserbecken umgewandelt und der ehemalige Eingangsbereich der Brauerei, die historische Dipylon Halle, ist heute eine trendiger Loungebereich des Hotels. Dem Projektentwickler und Betreiber Brøchner Hotels ist es zusammen mit den skandinavischem Architektenteam Arkitema gelungen, eine für Kopenhagen historische Immobilie durch eine nachhaltige Quartiersweiterentwicklung in eine neue Nutzung zu überführen.

Das Lighthouse Hotel & Spa mit 111 Zimmern liegt direkt am Weltkulturerbe Wattenmeer, an der Nordsee. Mit dem kantigen Charme des Büsumer Hafen vor dem Eingang wurde von Projektentwickler und Betreiber Heimathafen Management und dem Architekturbüro Ladehoff in bekannt gutem Zusammenspiel ein hochwertiges Hotel mit Nordsee Charakter geschaffen. Das Haus ersetzt am Museumshafen eine ehemalige Kureinrichtung und wurde direkt an den Deich gebaut. Einige Bereiche des Hotels befinden sich im Deich, wie beispielsweise die Parkgarage, und die beiden Restaurants blicken auf Deichhöhe ins Wattenmeer. Das benachbarte ehemalige Erlebnisbad Büsum wird derzeit noch modernisiert, und im Zuge der Neueröffnung wird dann auch wieder ein direkter Zugang zum Bad vom neuen Hotel möglich sein. Alle öffentlichen Bereiche sind barrierefrei gestaltet und der besondere norddeutsche Charme der Hotelimmobilie wird durch die spielerische Anordnung scheinbar einzelner Gebäude geprägt, die jedoch im Inneren in einem einzigen Hotelkomplex integriert sind. Das neue Hotel wertet das Hafenumfeld erheblich auf und ist direkt neben dem Namensgeber, dem Büsumer Leuchtturm, gelegen. Um einzelne Gästezimmer nicht durch das Leuchtfeuer zu stören, nimmt das Hotel Leuchtsequenzen auf und sendet das Leuchtsignal sekundenggenau von der Fassade weiter.

Angesprochen bei der Ausschreibung des Preises waren sowohl Hotelentwickler als auch -eigentümer und -betreiber. Für die „Hotelimmobilie des Jahres“ haben sich zwischen Januar 2019 und Juli 2020 eröffnete Hotels beworben. Entscheidend bei der Jury-Auswahl war ein gelungenes Gesamtkonzept aus Architektur und Gestaltung, Einfügen in das Projektumfeld, Nachhaltigkeit und technische Innovationen, Originalität des Konzeptes sowie Wirtschaftlichkeit.

Der FCSI Deutschland-Österreich e.V. gratuliert dem Grand Park Hotel Rovinj und seinem Direktor Peter Lösch sowie den Planern und Erbauern der eindrucksvollen Hotelanlage. Glückwunsch auch an die Veranstalter des „hotelforums“. Sie haben die Herausforderungen einer überwiegend virtuellen Konferenz hervorragend gemeistert. Schon jetzt blicken wir gespannt auf die diesjährige Jahrestagung des FCSI, die am Freitag, 4. Dezember 2020 ausschließlich online stattfinden wird.

Facts & Figures Grand Park Hotel Rovinj
Standort: Rovinj, Kroatien
Eigentümer: Maistra Hospitality Group
Betreiber: Maistra Hospitality Group
Projektentwickler: Maistra Hospitality Group
Architekt: 3LHD
Innenarchitekt: Lissoni Architettura
Betriebstyp / Kategorie: Ferienhotel, Vollhotel, 5 Sterne
Bauzeit: 24 Monate
Zimmeranzahl: 209

 

 

 

 

 

 

 

Die Preisträger „Hotelimmobilie des Jahres“ bisher:
Schgaguler Hotel Kastelruth (2019), QO Amsterdam (2018), Bretterbude Heiligenhafen (2017), Reichshof Hamburg CURIO Collection by Hilton (2016), Hotel Zoo Berlin (2015), Holzhotel Forsthofalm Leogang, Salzburger Land (2014), Radisson Blu Hotel Nantes (2013), Hotel TOPAZZ Wien (2012), 25hours HafenCity Hamburg (2011), Roomers Frankfurt (2010), Lindner Park-Hotel Hagenbeck (2009), 25hours Frankfurt (2008), Schloss Elmau Luxury Spa & Cultural Hideaway (2007), Hotel Daniel Graz (2006), Colosseo Erlebnishotel Rust (2004), Rocco Forte Hotel Amigo Brüssel und Accor Suite Hotel Hamburg (2003), Hilton Köln (2002).

Bildquelle Preisverleihung: Fotograf Grazyna Wislocka. Alle anderen Bilder wurden vom Grand Park Hotel Rovinj zur Verfügung gestellt.