Starke Frauen braucht das Land – für die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) hat sich das in den letzten Jahren mit Michaela Reitterer an der Spitze bereits positiv bestätigt. Nun wurde sie als Präsidentin beim ÖHV-Kongress im Januar 2019 einstimmig im Amt bestätigt. Wir gratulieren und sagen: weiter so!

Der Mitarbeitermangel im Gastgewerbe ist nur eines der Probleme, die der wiedergewählten ÖHV-Präsidentin Sorgen bereiten. Doch es ist ein Wichtiges. „Alle brauchen Mitarbeiter. Weil die Wirtschaft schneller wächst als die Bevölkerung“, so Reitterer. In mehr als einem Drittel der Betriebe stehen durch den Fachkräftemangel weitere Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Gründe, warum so spannende und lebendige Branchen wie Gastronomie und Hotellerie einen Fachkräftemangel erleben, gibt es viele. Wird das Gastgewerbe schlecht geredet oder ist es wirklich ein unattraktiver Arbeitgeber? Und was könnte man dagegen tun? Darüber diskutierte ein illustrer Kreis auf Einladung von FCSI und ÖGZ im Dezember in Wien. Mit dabei waren weitere Powerfrauen aus Hotellerie und Gastgewerbe sowie einige engagierte männliche Branchenvertreter.

Eines machten die Moderatoren Askan Vierich (Chefredakteur ÖGZ) und Hildegard Dorn-Petersen (FCSI) gleich von Anfang an klar:

„Wir wollen nicht zum Jammern aufrufen, sondern Lösungsvorschläge und Ideen sammeln, wie Hoteliers und Gastronomen an gutes Personal kommen.“

In regem Dialog fand die Runde eine Anzahl von Zauberworten, die das Problem zwar nicht vom Tisch  fegen, aber äußerst hilfreich sein können:

Unternehmenskultur

Der Spirit, der in einem Betrieb herrscht, ist aus Sicht von Georg Pstuszyn ganz entscheidend: „Ein junger Mensch möchte in einem attraktiven Unternehmen arbeiten und darauf stolz sein. Das ist ihm wichtiger als zehn oder zwanzig Euro mehr, die er woanders bekommen könnte.“ Dazu gehört natürlich die richtige Portion Selbstkritik – wer merkt, dass er kein guter Arbeitgeber ist, muss an sich arbeiten und sich dazu am besten einen externen Coach suchen. Leider wird Unternehmensführung nirgends gelehrt, an keiner Tourismusschule und auch in keinem Wirtschaftsstudium – das bedauern alle in der Runde. Generell ist die Ausbildung nochmals ein separates Thema, denn es stellt sich der Verdacht, dass sie am Bedarf vorbei geht. Es gibt zu viele Häuptlinge (= Studierte) als Kandidaten statt Indianer als tatkräftige Mitarbeiter.

Dienstleistungs-Gen

Besser kann man es nicht formulieren als der Gastgeber im Hotel Capri in Wien: „Es ist wichtig, dass die Leute das Dienstleistungs-Gen haben, die richtige Einstellung, dass ihnen der Job Freude macht, dass sie zu uns und zu unserem Team passen. Man muss dafür bereit sein, in sie zu investieren. Man muss Zeit und Geduld mitbringen, ihnen Vertrauen und Wertschätzung schenken. Dann zahlen sie die Investition allemal zurück.

Teamwork makes the dream work

Für Susanne Kraus-Winkler ist es wichtig, Verantwortung zu übertragen. „Die Gäste sind so individuell geworden. Darauf muss der Mitarbeiter flexibel reagieren können. Man muss sich davor aber nicht fürchten, denn wenn alle an einem Strang ziehen, funktioniert das.“ Das ist auch für Bettina von Massenbach wichtig: „Die müssen untereinander gut klarkommen.“ Michaela Reitterer setzt noch eins drauf: „Man muss einen Leuten ausdrücklich erlauben, Fehler zu machen. Das wird aber leider in keiner Ausbildung gelehrt – schon in der Schule nicht.“

Wertschätzen

Für Mario Pulker hat die Wertschätzung zwei Seiten: sie gilt einmal für den achtsamen Umgang mit jedem einzelnen Mitarbeiter. Sie müssen gerne Gastgeber sein und diese Leidenschaft darf man nicht enttäuschen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die Gäste zunehmend ein Problem werden, weil – gerade in einem Ausflugslokal – oftmals die Wertschätzung gegenüber dem Personal fehlt. Diese Entwicklung haben zwei Servicemitarbeiterinnen, die jetzt in Pension gegangen sind, sehr bedauert.

Stimmungsbarometer

Wichtig ist zu wissen, wie das Team gerade tickt und wie sich die Stimmung verändert, so Susanne Kraus-Winkler. Dabei kann man sich helfen lassen – das Hotel Capri in Wien ist Testbetrieb für Doods! und macht tolle, positive Erfahrungen. Dieses Tool ermöglicht es Unternehmen, Menschen am richtigen Platz in der passenden Konstellation einzusetzen. Kontinuierliche Mitarbeiterumfragen spiegeln die aktuelle Stimmung in Echtzeit und bieten eine Plattform zum Einholen von Feedback und Verbesserungsvorschlägen. Im Dashboard können alle Entwicklungen differenziert nachvollzogen werden. DOODs erkennt Handlungsbedarf und stellt je nach Herausforderung passende Step-by-Step Anleitungen und Best–Practice-Beispiele bereit.

Employer Branding

Dieses Schlagwort ist beileibe nicht nur für die Großen da – das geht auch in jedem kleinen Betrieb. „Wir pflegen flache Hierarchien, bei mir ist jeder Mitarbeiter gleich“, stellt Jeniffer Salchenegger fest. Für sie ist es aber auch wichtig, dass nicht nur die Gäste ein schönes Ambiente und eine gute Stimmung erleben, sondern auch die Mitarbeiter: „Ich habe früher mal im Schlosshotel Fuschl gearbeitet. Da haben wir statt einer Lohnerhöhung eine eigene Visitenkarte bekommen – die haben wir freudig gezückt weil wir stolz waren, in einem tollen Betrieb zu arbeiten.

Entscheidend wird es sein, dass die Message nicht nur bei den jungen Leuten und potentiellen Bewerbern, sondern auch in deren Familien ankommt. Das Gastgewerbe steht bei der Suche nach Berufsnachwuchs in harter Konkurrenz mit anderen Branchen.

Hinzu kommt der Trend, dass Eltern ihren Sprösslingen von einer Lehre abraten und sie lieber einen akademischen Weg einschlagen lassen. Das führt dazu, dass die Anzahl der Lehrlinge im Gastgewerbe seit Jahren rückläufig ist.

Bettina von Massenbach ist überzeugt, dass Millenials zu Unrecht kritisiert werden: „Ich muss wissen, wie die junge Generation tickt. Die bringen so viel Inspiration und neue Ideen mit. Gleichzeitig suchen sie nach Flexibilität und Sinnhaftigkeit. Das muss ich ihnen bieten, dann finde ich auch Mitarbeiter.“

Das Fazit der Diskussionsrunde: Diese und weitere Fragen werden die Hotellerie, Gastronomie und die Akteure in Tourismus und Politik in der nächsten Zukunft weiter intensiv beschäftigen. Immerhin geht es nicht nur um vakante Arbeitsstellen, sondern um die Zukunft eines der wichtigsten Wirtschaftszweige in Österreich und im gesamten deutschsprachigen Raum.

Teilnehmer:

Michaela ReittererMichaela Reitterer

ÖHV-Präsidentin, Eigentümerin des Boutiquehotels Stadthalle in Wien, dem ersten Passiv-Hotel der Welt. Sie hat ein junges, hochmotiviertes Team und überlässt nichts dem Zufall. Um Nachwuchs zu finden, lädt sie 13- oder 14jährige Schüler zum „Schnuppern“ ein – aber nicht als billige Arbeitskraft, sondern mit einer fixen Agenda. Bei Bewerbungen entscheidet sie rasch und spontan.
Gesucht: Gastgeber

Susanne Kraus-WinklerSusanne Kraus-Winkler

Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und bis 2018 Präsidentin der HOTREC, dem europäischen Dachverband des Gastgewerbes. Kraus-Winkler ist bereits seit 35 Jahren erfolgreich als Hotelière tätig und hat unter anderem die erfolgreichen „Loisium“ Weinhotels in Langenlois (Niederösterreich) und Ehrenhausen (Südsteiermark) entwickelt. Sie warnt davor, den Mitarbeitern mehr zu versprechen, als man halten kann.
Gesucht: Gastgeber

Mario PulkerMario Pulker

seit 2015 Obmann des Fachverbandes Gastronomie. 1975 in Melk geboren, übernahm er 2002 den elterlichen Betrieb – das Hotel-Restaurant “Residenz Wachau” – in Aggsbach an der Donau, das er nun seit mehr als 15 Jahren gemeinsam mit seiner Frau führt. Als Saisonbetrieb steht er vor einer besonderen Herausforderung, Mitarbeiter zu finden und zu binden. Den Küchenchef beschäftigt er das ganze Jahr, dieser ist jetzt schon das neunte Jahr da.
Gesucht: Gastgeber

Mag. Georg PastuszynMag. Georg Pastuszyn

Gastgeber & Geschäftsführer Capri Hotelbetriebs GmbH & Co KG Wien. Er folgte seinen Eltern Annelie und Jacek Pastuszyn, die in den 1990er Jahren das Capri als bescheidene Pension übernommen und zum Stadthotel ausgebaut haben. 2008 folgte ihnen ihr Sohn Georg als damals jüngster Hotelier der Stadt. Er wählt neue Mitarbeiter nach Persönlichkeit und nicht mehr nach Fachqualität aus und bezieht seine Teammitglieder intensiv ein.
Gesucht: Gastgeber

Jennifer SalcheneggerJennifer Salchenegger

Geschäftsführerin der Bettel-Alm und des Bettelstudenten in der Wiener Johannesgasse. Sie hat die beiden Betriebe im Jahr 2015 gemeinsam mit ihrem Mann Florian von ihrem Vater übernommen. Die Familie führt seit den 80er-Jahren legendäre Lokale in Wien.
Gesucht: Gastgeber

Bettina von Massenbach FCSIBettina von Massenbach FCSI

Seit fast 20 Jahren im Gastgewerbe von London über München bis nach Wien, hat Bettina von Massenbach ihren Schwerpunkt auf ‚PEOPLE‘ gelegt. Als Beraterin ist sie im FCSI vernetzt und setzt Ideen um, um Menschen für die Branche zu begeistern, sie zu finden, zu loyalisieren und sie zu fördern. Darüber hinaus hat sie 2018 ein veganes Sushi-Restaurant in der Münchner Innenstadt eröffnet.
Gesucht: Gastgeber

ModeratorenModeration:

Mag. Thomas Askan Vierich (ÖGZ): seit 2013 Chefredakteur der ÖGZ, davor Restaurantkritiker, Redakteur beim Falter Verlag, freier Journalist; schreibt auch Kriminalromane (u.a. „Tödliche Delikatessen“) und kulinarische Fachbücher (u.a. „Aroma. Die Kunst des Würzens“, „Aroma Gemüse“).

Hildegard Dorn-Petersen (FCSI) ist Mitglied im Vorstand des FCSI Deutschland-Österreich e.V., der als weltweiter Verband für professionelle Beratung und Planung in der Hospitality Industry internationale Anerkennung genießt. Sie hat ihre beruflichen Wurzeln in der Hotellerie und ist seit über 25 Jahren erfolgreich als Beraterin in der Branche tätig.
Gesucht: Gastgeber

Alle Fotos: Alexander Grübling, stellv. Chefredakteur ÖGZ

Der FCSI Deutschland-Österreich e.V. bedankt sich bei allen Teilnehmern für die rege Diskussion und die individuellen Beiträge. Nicht zuletzt geht unser Dank an Mag. Thomas Askan Vierich, Chefredakteur der Österreichischen Gastronomie- und Hotelzeitung ÖGZ, der dieses Treffen in der Redaktion möglich gemacht und ausführlich darüber berichtet hat. Über eine Fortsetzung des Round Table ÖGZ-FCSI würden wir uns freuen.

Den ausführlichen Bericht in der ÖGZ finden Sie ONLINE HIER.