Das hatten wir uns fein ausgedacht. Am 04.02.2018 fand der erste AHGZ-FCSI-Talk auf der Intergastra statt. Wir, das sind die Moderatoren – Christoph Aichele, Redakteur im Team der AHGZ und Hildegard Dorn-Petersen, verantwortlich für die Pressearbeit des FCSI – im „richtigen“ Leben seit mehr als 25 Jahren Unternehmensberaterin für mittelständische Hotellerie und Gastronomie.

Unsere Idee: Wir wollten uns unter dem Titel „Den Gast verführen“ mit einer entscheidenden Stellschraube in jedem gastgebenden Betrieb beschäftigen – dem Service, denn er ist ein perfekter Hebel, um mit überschaubarem Aufwand mehr Umsatz zu erzielen.

Doch weit gefehlt: die gestandenen Gastronomen am Tisch (Teilnehmerliste siehe unten) belehrten uns eines Besseren. Für Dieter Wetzel ist guter Service eine Basis-Leistung. Herzlichkeit und Freundlichkeit sind für ihn entscheidend. Eigentlich will er den Gästen in seinem Hotel und Restaurant ein „Daheim“ bieten – sorglos umsorgt, mit absoluter Wohlfühlgarantie.

Die eigene Begeisterung ist ein wichtiger Faktor für Oliver Firla. Wenn es gelingt, diese an das gesamte Team weiterzugeben, kommt die Message auch beim Gast an. Zu den Erfolgsfaktoren zählt vor allem auch die Qualität der regionalen Produkte, für die sich der Kunde heute verstärkt interessiert. Das sind für den einen Schafe, wie für Jürgen Krenzer, besondere Rinder, wie für Theo Jost, oder die ganze Schatzkiste der Natur, wie für den Begründer von „Feinheimisch“ Oliver Firla. Dem Gastgeber im Rhönschaf fehlen in seiner ländlichen Region Leute mit Herzblut. „Wir müssen schauen, dass wir die Mitarbeiter stärken, die Branche gräbt sich sonst selbst das Wasser ab!“ Überstunden ohne Ende und Dienstpläne, die von heute auf morgen geschrieben werden, sind für ihn ein Dolchstoß für jegliche Unternehmenskultur. Überhaupt sitzen alle in einem Boot, wie Theo Jost feststellt: Gast, Mitarbeiter und Unternehmer. Allen muss es gut gehen – dazu gehören geregelte Arbeitszeiten und ein gepflegter Umgang miteinander.

Eine gute Portion Psychologie gehört aber auch dazu, wenn es darum geht, Bedürfnisse und Wünsche der Gäste zu erkennen. Bei dieser Frage in die Runde ging es vor allem darum, wie es gelingt Mitarbeiter täglich zu motivieren und ihnen ein gutes Gefühl zu geben. Die Antwort „Power Briefing“ von Dieter Wetzel kam wie aus der Pistole geschossen. Er macht das in seinem Betrieb jeden Tag für alle Abteilungen. Da geht es mal ums schwäbische Alblinsenschwein, mal um die Gästeliste des Tages. Wichtig für alle Gastgeber sind der persönliche Kontakt und die Kommunikation mit ihren Teammitgliedern. Kleinigkeiten wie das kranke Haustier oder ein Hobby erlangen plötzlich hohen Stellenwert, wenn sie memoriert und nachgefragt werden.

Gar nicht so einfach war es mit dem Blick in die Zukunft, denn Digitalisierung und Technisierung sind ohne Zweifel viel diskutierte aber auch oft missbrauchte Schlagwörter unserer Zeit. Gleichzeitig werden die Gäste immer anspruchsvoller, und dies vor dem Hintergrund übersichtlicher Personalressourcen und oft begrenzter finanzieller Mittel. Und so lautete das Fazit unisono, dass Pauschallösungen heute noch weniger als gestern greifen. Die Mitarbeiterproblematik – eigentlich gar nicht primäres Thema des Talks – dominiert das Tagesgeschäft, und schiebt sich deshalb kontinuierlich in den Vordergrund, wie wir es auch in der lebhaften Diskussion feststellen konnten.

Ein geniales Schlusswort lieferte FCSI-Berater Björn Grimm: „Grundsätzlich sollte unsere Branche mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen. Wir haben mehr als 1 Million Beschäftigte, das ist eine starke Zahl!“ Wenn diese Nachricht jetzt auch noch in der Politik ankäme, nachdem zahlreiche Gastronomen auf eine steuerliche Gleichbehandlung mit der Hotellerie warten, wäre das genial. Eine positives Signal für die Branche ist schon jetzt gesetzt, denn laut Statistischem Landesamt das hat das Gastgewerbe in Deutschland das Jahr 2017 mit einem Umsatzplus von 0,9 Prozent abgeschlossen.  Weiter so! Wir freuen uns nicht nur über den Erfolgskurs der Kollegen, sondern schon jetzt auf eine Neuauflage des AHGZ-FCSI-Talks.

Das Who is Who der Talkrunde vom 4. Februar 2018:

AHGZ-FCSI-TalkDieter Wetzel, Inhaber des Hotel-Restaurants Schwanen, Metzingen – einem Hotel und Restaurant am Fuß der schwäbischen Alp, das mit dem Slogan „überraschend anders“ wirbt. Darüber hinaus ist Dieter Wetzel (im Bild links) Mitglied im Vorstand des DEHOGA Baden-Württemberg.

Björn Grimm (im Bild rechts), Inhaber Grimm Consulting mit Sitz in Hamburg und der Nordheide, Vizepräsident des FCSI und Autor der Neuerscheinung „Der Küchencoach“ im Matthaes-Verlag. Als erfolgreicher Unternehmensberater und Partner des Mittelstands hat er mehr als 1.800 Betriebe erfolgreich beraten.

AHGZ-FCSI-TalkTheo Jost (im Bild unten rechts) Chef der Ochsen Post Hotel & Restaurants, Tiefenbronn – einem Traditionsbetrieb seit 1694. Die Vision von Theo Jost: aus regionalen Rindern durch ein eigens entwickeltes Reifeverfahren das „beste Fleisch der Welt“ zu produzieren.

Jürgen Krenzer (im Bild links), Krenzers Rhön, das ist der coole Typ mit dem Rhönschaf-Hotel, der ist schon immer gerne gegen den Strom geschwommen und sicherlich eine Bereicherung für die Diskussion. Die Rhön war früher das Ende der Welt, direkt vor der Grenze zur DDR, aber auch heute noch verkauft man da sehr viel öde Landschaft, das will gekonnt sein.

AHGZ-FCSI-Talk Michael Braun, Inhaber der Braun.Company GmbH mit dem Leitbild „Genuss, Leidenschaft und Erlebnis“ und Geschäftsführer der MB Museumsgastronomie GmbH im Mercedes-Benz-Museum; gelernter Koch mit Stationen in der 2- und 3-Sterne Gastronomie (Schweizer Stuben, Restaurant Dieter Müller, Residenz Heinz Winkler).

AHGZ-FCSI-Talk Oliver Fierla, ODINs Historisches Gasthaus Haddeby und Mitbegründer von Feinheimisch, einem Netzwerk von agrarischen Erzeugern und Manufakturen, Küchenchefs und Gastronomen in Schleswig-Holstein, die u.a. zur Steigerung der Qualität und Vielfalt beim Lebensmittelangebot und heimischer Produkte beitragen.

Hildegard Dorn-Petersen (Moderation), Unternehmensberaterin für mittelständische Hotellerie und Gastronomie und Vorstandsmitglied FCSI. Sie hat in den vergangenen Jahren u.a. viele Existenzgründer im Gastgewerbe nachhaltig beraten – oder erfolgreich vom falschen Schritt in die Selbständigkeit bewahrt. Darüber hinaus zählen zahlreiche Wellnesshotels im deutschsprachigen Raum zu ihren Kunden.

Christoph Aichele (Moderation), Redakteur der AHGZ seit 18 Jahren. Er liebt Kunst und Bücher, gastliche Orte, gastfreundliche Menschen und gutes Essen – die Currywurst in Berlin, den Rostbraten in der schwäbischen Heimat, den frischen Fisch an der Waterkant. Oder auch die Pizza in Napoli.

Den ausführliche Bericht über die angeregte Talkrunde lesen Sie hier.