Sind Roboter die Lösung für fehlende Fachkräfte in Hotellerie und Gastronomie? Mit dieser und anderen Zukunftsfragen der gastgebenden Industrie beschäftigten sich die Mitglieder des FCSI an Bord der SS Rotterdam.

Anlässlich der Jahrestagung der Food Consultants Society International Europe-Africa-Middle East (FCSI EAME) lud der Verband nach Rotterdam ein. Zentrales Thema war es, wie sich die Zukunft von Food & Hospitality weiterentwickelt und gestalten lässt.

the future von food & hospitalityÜber die Magie und Realität von künstlicher Intelligenz sprach Richard Kuijpers. Seine Roboter-Truppe war an Bord der SS Rotterdam nicht nur auf der Bühne aktiv, sondern servierte in den Pausen Snacks und Obst und war omnipräsent. Aktuell sind die unterschiedlichen Roboter-Modelle in den Niederlanden vor allem zu Promotion-Zwecken im Einzelhandel eingesetzt. Der Marketing-Effekt steht im Vordergrund: „Jeder will der Erste sein!“ so Kuijpers. Für die Zukunft ist er davon überzeugt, dass künstliche Intelligenz keine Arbeitsplätze vernichtet, sondern teuer bezahlte Mitarbeiter entlastet und für den direkten Service am Gast Freiraum schafft.

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K800_guigiugiyuDas absolute Kontrastprogramm bot Theodor Falser, Küchenchef mit Michelin-Stern im Hotel Engel Gourmet & Spa in der Nähe von Bozen. Weggehen, um heimzukommen – so könnte man den beruflichen Werdegang des leidenschaftlichen Kochs aus Karneid im Eggental überschreiben. Von den Bermudas über die Schweiz bis Kuala Lumpur, von Peking über den Oman und Equador wieder zurück in die Südtiroler Heimat führte sein Weg  immer durch die ersten Häuser am Platz. Mit Überzeugung hat sich der Bauerssohn auf seine Wurzeln besonnen und das Konzept „Taste Nature“ entwickelt.

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K800_Pea Mousse with wild Sage StraubenIn der heute so schnelllebigen Welt will er seine Gäste einladen, sich in die Natur und deren Produkte zu verlieben. Das funktioniert nur mit den richtigen Lieferanten vor Ort. Dazu zählt unter anderem Farmer Michael, der auf seinem Grund in einer Höhe von über 1.500 m mehr als 400 unterschiedliche und teilweise längst vergessene Gemüsesorten anbaut, von denen etwa 10 Prozent für den Winter konserviert werden „Zucker ist das einzige Produkt, von dem ich den Lieferanten nicht kenne.“  Trüffel, Schnecken, Risotto-Reis, Forellen-Kaviar und Salz liefert der Norden Italiens.

the future von food & hospitality Nur gut zu kochen, reicht für Theodor Falser nicht aus. Im Sommer 2019 geht mit der „Forrest Edition“ sein neuestes Experiment an den Start. Dabei werden die Speisen im Wald mit Produkten des Umfelds kombiniert und auf offenem Feuer zubereitet. Die Gäste speisen barfuß und nehmen ganz bewusst die Erdung des Waldbodens auf. Ganz zuhause hält es den passionierten Koch dann doch nicht: in Shanghai betreibt er ein Taste-Nature-Restaurant, für das er vor Ort nicht nur die richtigen Lieferanten, sondern auch die richtige Klientel finden musste. Außerdem berät er TUI-Cruises. Vertikale Gärten sind dabei an Bord ein erster Schritt, absolute Frische zu garantieren.

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FCSI_ProfSchroederVertikaler Pflanzenanbau und die Zucht von Algen in 500 km langen Röhren spielen auch für Dr. Fritz Gerald Schröder, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden eine große Rolle, wenn es darum geht wie man die Welt in der Zukunft ernähren kann. In seiner Keynote machte er deutlich, dass in Deutschland täglich 100 ha an Ackerland versiegelt werden, und sich diese Entwicklung weltweit mit der Bildung von „Mega-Cities“ noch verschärft.

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Nachhaltigkeit und veränderte Ernährungsmodelle waren einige der Fragen, mit denen sich zwei Studenten-Gruppen in einem visionären Projekt befassen mussten. Dafür hatten sie exakt 36 Stunden Zeit und haben ihre Aufgabe mit Bravour gemeistert. An den Start gingen das Team „Yellow“ mit 5 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie das 4er Team „Orange“. Dass die Studenten aus unterschiedlichen Ländern und Schulen oder Universitäten kamen, war für alle eine positive Erfahrung, wie sie abschließend festgestellt haben.
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In der Aufgabenstellung ging es darum, ein Konzept für einen neuen Universitäts-Campus „World of Science“ zu entwerfen, in dem sich Wohnen, Leben und Arbeiten, Studenten mit Dozenten und Angestellten sowie externe, an der Wissenschaft interessierte Besucher mischen. Es sollte ein Raum zum Wohlfühlen geschaffen werden, in der Kreativität entstehen kann und wo man sich mit Freunden trifft. Im Focus standen dabei sowohl das gastronomische Konzept wie auch das Retail-Angebot. Mit etwas Zittern in den Knien, aber guter Bühnenpräsenz, meisterten beiden Teams die Vorstellung ihrer Projekte. Sie machten es der Jury nicht leicht, und das Endergebnis war sehr knapp. Mit nur wenigen Punkten Vorsprung gewann das Team „Orange“ mit seiner Vision „High tec – High touch“.  Skizziert wurde, wie in der eigenen Forschung entwickelte Technik die Natur unterstützen  kann. Das Laboratorium bildet den Gegenpol zur Farm, die mit ihren Tieren und Produkten nicht nur den Campus versorgt, sondern u.a. auch zum Ausflugsziel für Familien werden kann.  Große Pavillions dienen als Gewächshäuser, in denen sich unterschiedliche Klimazonen simulieren lassen, um z.B. exotische Früchte zu produzieren, aber auch als gastronomische Erlebniszonen. Wir gratulieren Louis Van Hyfte (Hotelschool Netherland), Ronja Schoepflin (SSTH Passugg  Switzerland) sowie Caroline Schumacher und Jens Mundt, die beide aus den FCSI-Speeddatings an der WIHOGA Dortmund hervorgegangen sind.

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FCSI-Award_BGNoch mehr Ehre, noch ein Award: Im Rahmen der FCSI Jahrestagung in Rotterdam wurde Björn Grimm (im Bild 2. von links) für sein Buch „Der KüchenCoach“ ausgezeichnet. Der Inhaber der Grimm Consulting und Vize-präsident des FCSI Deutschland-Österreich e.V. erhielt den Award für außergewöhnliche Beratungsleistung. Die international besetzte Jury lobte die Innovation, die Praxisnähe und die hohe fachliche Expertise des Buchprojektes, an dem auch die FCSI-Kollegen Klaus Häck (3. von links) und Helge P. Pahlke (im Bild links) beteiligt waren. Mit dem Gewinner freut sich FCSI EAME Präsident Remko van der Graaff.

Dass der FCSI ausgerechnet auf einem historischen Ocean-Liner tagte, erwies sich als äußerst reizvoll. Die Tagungslocation steht symbolisch für den Spagat zwischen Historie und Zukunft, denn zu seiner Jungfernfahrt war das Schiff das Neueste und Modernste, was die Holland-Amerika-Line zu bieten hatte – für die Passagiere der 1.Klasse ein hochklassiges Reiseerlebnis, für andere ein Hoffnungsschimmer, das kriegsgebeutelte Europa zu verlassen und in den USA ein neues Leben zu beginnen.


Für die meisten Teilnehmer des FCSI war es der erste Besuch in Rotterdam, der zweitgrößten Stadt der Niederlande. Einer Stadt, die sich in den letzten Jahrzehnten von der kompletten Zerstörung im II. Weltkrieg erholt hat: eine imposante Wolkenkratzer-Silhouette, bei der vor allem der Dreifachturm «De Rotterdam» von Rem Koolhaas und OMA (im Modell rechts) beeindruckt. Konzipiert als vertikale Stadt, bietet der Baukomplex auf 162 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche Raum für Wohnen, Arbeiten und Entertainment – bis hin zum Hotel Nhow mit gigantischem Panoramablick. Kontrastprogramm direkt gegenüber das Boutiquehotel Room Mate Bruno, einer ehemaligen Teelagerhalle der Niederländischen Ostindien-Kompanie.


@ QO Amsterdam (5)Dass Holland Zeichen setzt in moderner Hotelarchitektur, bestätigt auch das QO Amsterdam, Gewinner der Auszeichnung „Hotelimmobile des Jahres 2018“. Unter rekord-verdächtigen 52 Bewerbern hat es die hotelforum-Jury mit seiner konsequent nachhaltigen Konzeption bei gleichzeitig hohem Qualitätsanspruch überzeugt. Das Gebäude ist sozusagen ein ´lebendiger´ Organismus, der sich wie ein Chamäleon verhält und in den Bereichen CO2-, Wasser-, Energie- und Abfallwirtschaft höchsten Kriterien genügt.“ Unter anderem verfügt das QO Amsterdam über eine innovative Fassadenkonstruktion mit insgesamt 819 beweglichen Aluminiumplatten, die außerhalb der Fenster angebracht sind und für eine zusätzliche Isolierung sowie Sonnenenergiegewinnung sorgen. Auf diesem Weg wird der Energieverbrauch – sowohl für die Kühlung als auch für die Beheizung – im Vergleich zu herkömmlichen Klimasystemen, mehr als halbiert. Die Fassade ist zudem mit einem integrierten Building Management System verbunden, dadurch können die Energieverbrauchswerte des Gebäudes erfasst und ausgewertet werden.

Für alle, die sich gerne mit moderner Architektur beschäftigen und darüber hinaus jungen, frischen Lebensstil schätzen, sind die Niederlande und insbesondere Rotterdam, das sich erst in den letzten 10 Jahren zur touristischen Destination entwickelt hat, in jedem Fall eine Reise wert.

Der FCSI Deutschland-Österreich e.V. blickt zurück auf eine gelungene Veranstaltung. Es war genau die richtige Entscheidung, 2018 keine eigene Jahrestagung zu organisieren, sondern diese im Rahmen der FCSI  EAME Konferenz durchzuführen und diese mit einer starken Truppe zu unterstützen.

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Foto: Frank Höck

Lesen Sie auch den redaktionellen Beitrag beim Mediapartner Top hotel in der Ausgabe 11/2018.


Der FCSI Deutschland-Österreich bedankt sich ausdrücklich bei seinen Fördermitgliedern, ohne deren großzügige Unterstützung eine Veranstaltung in diesem Rahmen und zahlreiche Aktivitäten im Laufe des Jahres nicht möglich wären.

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2 Kommentare
  1. Alexander Hofer
    Alexander Hofer sagte:

    Aufregende Tage mit spannenden Themen! Rotterdam war die Reise wert, Dank FCSI immer einen Schritt voraus.

    Auf ein Wiedersehen in Meran 2019!

    Liebe Grüße aus Südtirol

    Alexander Hofer
    H44Team GmbH

  2. Antonio Rizzo
    Antonio Rizzo sagte:

    Coole Leute
    Coole Location
    Cooles Event

    Es war Mal wieder eine großartige Veranstaltung.

    See you soon 🙂

    Liebe Grüsse aus Stuttgart

    Antonio Rizzo
    Profi-tabel

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