Eine illustre Schar an Tagungsgästen kam zum Deutschen Hotelimmobilienkongress nach München. Besuchermagnet war sicherlich nicht nur das anspruchsvolle und breit gefächerte Tagungsprogramm, sondern auch das vor wenigen Monaten eröffnete 5-Sterne-Andaz-Hotel.

Hildegard Dorn-Petersen hat sich für den FCSI umgesehen, welche Trends professionelle Berater und Planer der Hospitality Industry im Auge behalten und für ihre Kunden weiterverfolgen sollten.

Mixed-Use war eines der Zauberworte für die Entwicklung neuer innerstädtischer Hotelprojekte, um eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten zu schaffen. Michael Kunz, Vorstand der PROXIMUS Real Estate AG präsentierte ein Best-Practice-Modell in prominenter Kölner Innenstadtlage. Seine Gesellschaft realisiert dort nach Plänen von ingenhoven architects ein Projekt auf dem Gelände des legendären Capitol-Kinos, angrenzend an das Belgische Viertel und das Gerling-Quartier mit 25hours als Flagschiff in der ehemaligen Schaltzentrale des Gerling-Konzerns.

Langfristiger Ankermieter des Neubaus mit einer Grundstücksfläche von 4.000 m² ist die Münchner RUBY Gruppe. Es entsteht ein Lifestyle-Boutique-Hotel mit 186 Zimmern, zusätzlich werden die Bestandsgebäude mit Büroflächen von ca. 7.000 m2 umfassend saniert sowie um ca. 1.800 m2 Einzelhandelsfläche erweitert. Die Münchner Hotelmacher haben offensichtlich Gefallen am Standort Köln wie auch am Mixed-Use-Konzept gefunden: Auf die für 2020 geplante Eröffnung am Kölner Hohenzollernring folgt 2022 bereits der zweite Standort der Ruby Gruppe in Köln: Mitten im Szene-Viertel Ehrenfeld, Kölns Hotspot für Kreative. Zusammen mit der Metropol Immobiliengruppe entstehen am Ehrenfeldgürtel insgesamt rund 165 Zimmer mit angrenzenden Co-Working Spaces.

Co-Working & Community

Und damit wären wir schon bei weiteren Zauberwörtern des HIK, Co-Working-Spaces und Integration in die Community. Bei der Gestaltung der Ruby Workspaces kommt es den Machern von Ruby darauf an, dass diese sich nicht wie konventionelle Büros anfühlen. Sie wollen ein Ort schaffen, an dem es um mehr als Arbeit geht. Ein Ort, der dich mit Gleichgesinnten verbindet. An dem man sich gut fühlen kann und gut aufgehoben ist. Die Kombination von Co-Working und Extended-Stay-Gästen erhöht die Attraktivität des Angebots: Für die einen bedeutet es immer wieder neue Kontakte und Inspirationen, für die anderen den Anschluss an eine lokale Gemeinschaft.

Auf die Community setzen in Zukunft auch AccorHotels, wie Geschäftsführer Volkmar Pfaff auf dem Hotelimmobilienkongress erläuterte. Dabei reagieren Global Players auf globale Megatrends und setzen auf „Augmented Hospitality“. Im Focus steht dabei die Rolle des Hotels für den Stadtteil und seine Umgebung, aber auch für den Gast an seinem Standort. So bietet die Gruppe Inhabern der Loyality Karte „Le Club Accor Hotels“ Vorteile auch zu Hause am Wohnort, von der Nutzung von Personal Training bis hin zur Teilnahme an Gastro-Events.

Ein besonderes Haus der Althoff-Gruppe hat vor kurzem in Frankfurt eröffnet. General Manager Gisbert Kern bot den HIK-Teilnehmern einen Einblick in das neue First-Class-Hotel, das sich hinter dem etwas holprigen Namen AMERON Frankfurt Neckarvillen Boutique versteckt. Auch hier setzt man auf die Community – als verbindendes Element zwischen dem kreativen Bahnhofs- und dem traditionellen Bankenviertel.  Zentrales Thema ist die Kunst, und es wird an nichts gespart, um in dem denkmalgeschützten Gebäude ein Hotel mit Persönlichkeit zu schaffen.

Das Schwabinger Tor

Als Mixed-Use par excellence präsentiert sich das neue „Schwabinger Tor“ mit seinem Herzstück, dem für den HIK gastgebenden Andaz-Hotel. Roland Wüst berichtete über den langen Vorlauf ehrgeizigen Projektes, das sich an zukünftige Arbeits- und Lebensweisen orientiert. Ziel war es, keine Enclave zu schaffen, sondern sich in allen Bereichen nach außen zu öffnen und das Quartier zu beleben. Schon früh hat man sich als Hotelpartner für Hyatt und seine Marke Andaz entschieden. Ziel war es, ein Lifestyle-Hotel zu schaffen, in dem sich der Gast nicht als Tourist fühlt, sondern das frühere Münchner Szene-Viertel als besondere Erfahrung wahrnimmt. Die Bewohner sind im Hotel und seinem luxuriösen Spa über den Dächern Münchens herzlich willkommen – auch das Mitarbeiterrestaurant des Hotels steht externen Gästen offen.

Nicht alle Kongressteilnehmer mochten zur Sonderrate von 315 € im Andaz nächtigen. Sie hatten bei einem Rundgang die Möglichkeit, sich einen Eindruck vom hochwertigen Design der insgesamt 277 Zimmer und Suiten zu machen. Auf Unverständnis stieß dabei der drohend am Fußende eines jeden Bettes angebrachte, voluminöse schwarze TV-Screen.

Das „Schwabinger Tor“ ist autofrei – im Tiefgeschoss stehen 900 PKW- und 700 Fahrrad-Stellplätze zur Verfügung. Auch die Entsorgung erfolgt unterirdisch. Als Besonderheit gibt es sogar eine eigene Straßenbahnhaltestelle.

Hotelimmobilienkongress

Neue Marken – neue Wege

Das Reiseland Deutschland ist von einem starken privatgeführten Hotelprofil geprägt – diese Häuser machen immerhin 2/3 des Hotelmarktes im Lande aus. Individualität und Tradition gelten als nationales Markenimage. Private Hotels weiterzuführen und zukunftsfähig aufzustellen, ist seit einem Jahr das Geschäftsfeld von Holger Hutmacher mit seiner neuen „MOON NEW ERA HOTELS Hospitality Holding“. Der frühere A-Ja-Geschäftsführer hat wird sich mit seiner Gesellschaft auf den Erwerb und Betrieb von Privathotels konzentrieren und ist schon heute mit dem wirtschaftlichen Erfolg zufrieden.

Ebenfalls seit einem Jahr im Markt ist die neue Marke ARBOREA mit ihrem Pilotprojekt, dem Arborea Marina Resort Neustadt. Menschen zusammenbringen – ein überzeugendes Konzept von junger, frischer Ferienhotellerie, das in der Presse bejubelt wurde. Und doch war der – mehrfach verschobene – Start nicht einfach, wie Geschäftsführer Johannes Kerkhofs den Tagungsteilnehmern freimütig verriet. Unterschätzt hat man die Tagungsnachfrage – mittlerweile ein wichtiges Standbein in der Low Season. Auch die fehlende Unterstützung bei der Destinationsentwicklung beklagt Kerkhof. Auch wenn man bei sportlichen Aktivitäten auf Eigeninitiative der Gäste setzt und keine Animateure beschäftigt: der Personalmangel macht auch vor Arborea nichts halt, und 25 Prozent Quereinsteiger zu beschäftigen, ist eine echte Herausforderung, das gibt der tourismuserfahrende Holländer ganz offen zu.

Mit einer Überraschung, nämlich einem neuen Brand namens Roots wusste Rolf Selige-Steinhoff aufzuwarten. Als Inhaber der SEETEL-Gruppe und größter Arbeitgeber in der Hotellerie auf der Insel Usedom will er sich mit der neuen Gesellschaft IHR (International Hotels & Resorts) nicht auf den deutschsprachigen Raum beschränken, sondern zielt unter anderem auch nach Spanien, wo SEETEL bereits sei mehr als 2 Jahrzehnten erfolgreich ein Hotel auf Mallorca betreibt.

Der vor wenigen Jahren zum „Hotelier des Jahres“ gekürte Unternehmer sieht Roots als smartes 2- bis 3-Sterne-Konzept im Budgetsegment. Wichtig sind ihm dabei die Verwurzelung am Standort, die sich auch optisch in den Häusern wiederfinden soll. Das Wesentliche der Dienstleitung soll sich auf die Übernachtung konzentrieren. Multifunktionalität von Lounge-Area mit Workspace und Speisen-angebot soll für ein erschwingliches Preisgefüge sorgen, ohne dass erkennbar Kosten gespart werden.

Fast meinte man, auf der Insel der Glückseeligen in der Hospitality Industry zu leben, wenn man all die Erfolgskonzepte und solche, die es werden wollen, auf dem HIK verfolgte. Für einen herben Dämpfer sorgte Professor Dr. Timo Wollmershäuser vom Ifo Institut. Die Konjunktur flaut weiter ab, der ifo Geschäftsklimaindex sinkt. Er zeigte in seiner Keynote viele Alarmsignale auf für die nationale und globale Wirtschaft.

Gerade deshalb stimmt des positiv, dass der Beherbergungsmarkt in Deutschland noch immer ein starker Wachstumsmarkt ist. Michael Lidl, Geschäftsführender Partner der TREUGAST Solution Group mit Sitz in München ist sich sicher: die Branche ist krisenstabil. Trends zum Heimaturlaub und Naherholung tragen dazu ebenso bei wie die Frage der Sicherheit bei Auslandsreisen und die Krise der Lowcost-Carrier.  Der wichtigste Erfolgsfaktor für die gastgebende Industrie ist aus Sicht des Unternehmensberaters, der selbst ein Hotel betreibt, in jedem Fall: LEIDENSCHAFT!

Das Fazit für FCSI-Berater und Planer und andere Branchenexperten: Die Teilnahme am Deutschen Hotelimmobilienkongress war spannend und lohnenswert – im Rahmen der Vorträge, beim Netzwerken und unterschiedlichen Diskussionen. Nachdenklich macht bei all den neuen Konzepten und Brands, ob sich nicht auch die Anforderungen an den Consultant für die Hospitality Branche verändern – vom Generalisten zum Spezialisten, vom Problemlöser zum Coach und Wegbegleiter.

 

Alle Fotos: kplus konzept studios / dfv conference group