Die weltweit größte Reisemesse ITB in Berlin hat vor kurzem ihre Pforten geschlossen. Die Experten der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) sehen glänzende Aussichten für 2018 – der Reisemarkt boomt im Inland (28%) wie auch im Ausland (72%). Davon profitieren auch die Kunden der FCSI-Berater und Planer, sowohl die mittelständische Hotellerie mit neuen Projekten im Inland wie auch die internationale Kettenhotellerie von Moskau bis Dubai.

ITB 2018Die Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ es sich in diesem Jahr nicht nehmen, die ITB persönlich zu eröffnen. Schließlich war ihr Heimatland Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr Partnerland, das sich mit einer großen Schau in Feierlaune präsentierte – sicherlich eine gute Abwechslung nach dem ganzen Groko-Hickhack.

Einer der wichtigsten Trends für die Branche ist die Individualisierung. Ziel ist es, daß jeder potentielle Gast sein persönlich maßgeschneidertes Angebot findet. Dabei ist nicht unbedingt von Bedeutung, ob die Buchung direkt im Anschluss generiert wird oder ob das Internet zunächst als Informationsbörse dient, um später ganz nach Wunsch zu buchen: analog und/oder telefonisch im Hotel, direkt online oder über ein Portal. Wie auch immer, da sind sich die Experten einig: der Gast von heute und morgen wünscht sich ein Angebot, welches möglichst perfekt auf seine Wünsche abgestimmt ist.

Ob jung oder alt – viele Reisende haben keine Lust mehr auf austauschbare, anonyme Hotels, die in jeder Stadt stehen könnten. Das haben inzwischen auch viele Hoteliers gemerkt. Sie werden daher zu Drehbuchautoren lokaler Geschichten. Dies erläuterte AHGZ-Chefredakteur Rolf Westermann vor den rund 700 Teilnehmern des diesjährigen Tourismusforums des Ostdeutschen Sparkassenverbandes OSV auf der ITB Berlin.

Ganz vorne in seiner Hit-Liste steht 25hours. Den Countdown des 25hours Hotel The Royal Bavarian durften die FCSI’ler im November zur Jahrestagung 2017 in München hautnah erleben. “ Hotelkon-zerne versuchen nun, die Erlebniskultur herbeizuführen“, erläuterte Westermann die aktuelle Entwicklung. Denn wer das angemessene Ambiente liefert, könne deutlich höhere Preise verlangen.
„So wollen heutzutage alle ins Hotel-Wohnzimmer. Die urbanen, digitalen Nomaden, die mit Tablet-Computer und Rucksack die Städte erobern, sind eine begehrte Klientel.“  Auch die Budget-Design-Kette Motel One setzt inzwischen auf lokale Themen wie Mode und Film in ihren Berliner Häusern.

Mit Optimismus ins Reisejahr 2018

Bei der Präsentation der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) gab es viele freudige Gesichter, und gute Nachrichten in Hülle und Fülle. Die Reiseanalyse untersucht seit 1970 jährlich die deutsche Nachfrage nach Urlaubs- und Kurzurlaubsreisen. Demnach gaben Deutschlands Urlauber im vergangenen Jahr die Rekordsumme von gut 96 Milliarden Euro (Vorjahr: rund 88 Mrd) aus. Auch für dieses Jahr sind die Experten optimistisch. Für sie ist die Zukunft ganz klar online, auch wenn sich aktuell noch ein stabiles Feld von einem Drittel der Kunden hält, die sich in einem Reisebüro beraten lassen und dort auch buchen. Die Online-Buchungen haben sich mehr als verdoppelt. Interessanter Weise ist aber auch die klassische E-Mail noch lange nicht tot, sondern stellt immer noch einen Anteil von 9%. Ein Rat der Marktforscher der FUR an touristische Anbieter: Bilder müssen spontan ansprechen und zu einschlägigen Aktivitäten, z.B. zum Sport motivieren . Natur (70%) sowie regionale Speisen und Getränke (68%) haben einen hohen Anteil an einem gelungenen Urlaubserlebnis.

Wellness wächst weiter

ITB 2018Wellness liegt im Trend. Über die Hälfte der Deutschen ist der Ansicht, dass Wellnessreisen absolut in Mode sind. Die Auszeiten im Hotel werden länger und sind mit hohen Erwartungen verbunden. Hinzu kommen  zahlreiche kleine  Wellnesspausen in Day Spas und Thermen. Mit jeder Einrichtungsart werden ganz spezifische Erwartungen und Gewohnheiten  verbunden. So geht es im Wellnesshotel vor allem um ganzheitliche Wellnesserlebnisse und um gemeinsame Zeit mit dem Partner. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Umfrage von GfK Travelscope. Mehrtägige Wellness-Auszeiten haben der Erhebung zufolge in Deutschland im letzten Reisejahr ein Umsatzplus von 12,8 Prozent erzielt. Dazu Michael Altewischer, Geschäftsführer der Wellness-Hotels & Resorts:

„Schauen wir die Marktentwicklung an, so zeigt sich, dass Wellness weit mehr als eine kurzfristige Mode ist. Seit inzwischen 20 Jahren ist Wellness auf dem deutschsprachigen Markt etabliert und die Nachfrage nach Wellnessleistungen im Hotel steigt kontinuierlich. Ein Ende ist nicht in Sicht.“

Wellnessreisen sind so beliebt, dass dafür zunehmend längere Aufenthalte eingeplant werden. „Das Wellnesswochenende mit zwei bis drei Übernachtungen wird zwar noch am häufigsten gebucht, längere Reisen nehmen jedoch stark zu“, sagt Roland Fricke, Geschäftsführer des Portals Beauty24, und führt weiter aus: „Fünf- bis achttägige Wellnessauszeiten weisen im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 27 Prozent auf.“ Ein  Viertel  der  Menschen,  die  Wellness  als  trendig  empfinden,  haben selbst noch  keine  Wellnessreise  gemacht. Das Potenzial ist deshalb groß, diese als neue Gäste  zu  gewinnen. Wachstum erfährt die Branche  außerdem vor allem dadurch,  dass  immer mehr Menschen immer mehr Wellness-Angebote in Anspruch  nehmen. Über die Hälfte der Wellnessreisenden (52  Prozent) macht jährlich zwei oder mehr Wellnessurlaube.

Die Zukunft für die Buchung von (nicht nur Wellness-) Reisen liegt online

ITB 2018Ein besonders starkes Marktpotential bei Wellness-Reisen stellen die Millenials dar. Ganz klar, dass diese Zielgruppe ihr bevorzugtes Hotel online sucht und bucht. Das Steigerungspotential ist enorm: Die Anzahl von Wellness-Aufenthalten der Generation Y hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt (+53%). Für die Wellness-Hotellerie stellt diese Zielgruppe (aktuell 14% des Gesamtmarktes) eine Herausforderung dar, denn sie wollen vieles ganz anders, als klassische Best- oder Silverager ihren Aufenthalt bislang geplant und gebucht haben. Dazu zählen flexible Mahlzeiten statt obligatorische Halb- oder Dreiviertelpension, Highspeed-Internet (auch im Spa!), spontane Entscheidung für Behandlungstermine sowie ein sportliches In- und Outdoorprogramm, um nur einige wichtige Punkte zu nennen.

Der Konflikt zwischen Wachsen und Sanft bleiben

Erstmals in diesem Jahr (zumindest von mir so wahrgenommen) wurde deutliche Kritik geäußert an den Auswirkungen des Massentourismus.  Das Reizwort „Overtourism“ machte bei vielen Veranstaltungen die Runde und war eines der meist diskutierten Themen. Mallorca, Venedig, Berlin – alle leiden unter den Auswüchsen des Tourismus. Dabei sind Touristen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, und Politiker wie auch  Branchenvertreter sind sich einig: Wenn Menschen viel reisen, ist das eine gute Sache. Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft, meint: „Der Tourismus ist eine Friedensindustrie“. Doch anders als es z.B. der Werbeslogan „Endlich Ruhe“ für Mecklenburg-Vorpommern verspricht, ist es mit dem sanften Erholen in manchem überlaufenen Ostseebad im Sommer aber nicht weit her. Eine jüngste Studie zu weltweiten Reisetrends hat ergeben, dass 24 Prozent aller Auslandsreisenden den Eindruck hatten, dass der besuchte Ort von Touristen überfüllt war. Aber lediglich 9 Prozent seien deshalb genervt gewesen. Die Zahlen sagen freilich nichts darüber, wie die Bewohner vor Ort den Tourismusandrang erleben. Städte wie Venedig oder Rom kollabieren im Sommer, und auch für Mallorca wird es mittlerweile zuviel. Einheimische fordern vielerorts bereits: „Tourists go home!“  Lösungansätze für dieses Problem gab es auf der ITB nur wenige, denn wie soll man über Regulierung sprechen, wenn  klar ist, dass der Reisetrend ganz klar in Richtung Individualisierung geht?

Fazit: Der Reisemarkt boomt

Wie immer gibt es Verlierer und Gewinner. Dennoch hat die ITB 2018 klar gemacht: Die Branche steht vor vielen Herausforderungen. Digitalisierung und Globalisierung, e-Commerce und Experience Design, Sharing Economy und Overtourism – die Fülle der angebotenen Vorträge und Diskussionen war überwältigend, so dass die Qual der Wahl oftmals nicht leicht fiel, vor allem bei sich überschneidenden Terminen und räumlichen Entfernungen, insbesondere des City-Cubes vom Zentrum des pulsierenden Messegeschehens. Auffällig viele junge Menschen tummelten sich nicht nur in den Hallen, sondern vor allem auch beim ITB Kongress. Hier liegt die Zukunft der Branche, denn der Nachwuchs wird das Reiseerlebnis von morgen gestalten.

Save the date: die nächste ITB findet vom 6. – 10. März 2019 statt!

Bildquellen: Titel und Abbildung 1 © ITB Berlin
Charts Wellnesstrends: © GfK Travelcsope, beauty 24, W-H-R Resorts