Arbeitnehmermarkt Gastgewerbe

Arbeitnehmermarkt Gastgewerbe

Der FCSI Talk, der auf der Intergastra 2016 Premiere hatte, beleuchtet Themen, die der Branche unter den Nägeln brennen. Der zunehmende Mangel an qualifizierten Mitarbeitern gehört ganz dazu.

Unter der Moderation der FCSI-Beraterinnen Iris Schmid und Maria-Luise Gerber diskutierten ein Vertreter der Arbeitsagentur Stuttgart, ein gestandener Hotelier aus Potsdam, eine Studentin der HOFA Heidelberg und zwei Start-Up-Unternehmer der Generation Y.

„Ach wie war es doch zu Cölln vordehm, mit Heinzelmännchen so bequem…“ so beginnt die Ballade aus dem Jahr 1836 über die kleinen Helferlein. „Ehe man’s gedacht, war über Nacht das Tagwerk gemacht“, so die Legende.

So mancher Hotelier und Gastronom, ganz gleich ob aus dem Schwarzwald oder von der Waterkant, würde sich heute die kleinen hilfreichen Geistern wieder herbeiwünschen, weil der Branche nicht nur qualifizierte Mitarbeiter, sondern generell Arbeitskräfte fehlen. Doch Jammern hilft nicht, so Iris Schmid FCSI. Vor 10 Jahren begannen die Diskussionen über den Arbeitskräftemangel, doch das Thema wurde weggeschoben. Jetzt schlägt es mit voller Wucht auf.

Der Druck für jeden Arbeitgeber im Gastgewerbe, gute und geschulte Mitarbeiter fürs Hotel und Restaurant zu finden und dann noch zu halten, ist enorm groß und wird sich noch weiter verschärfen. Eine Patentlösung wäre schön, aber leider nicht parat. Umdenken ist angesagt, so FCSI Unternehmensberaterin Iris Schmid.

„Gute Mitarbeiter zwischen 18 und 35 suchen sich den neuen Arbeitgeber regelrecht aus. Sie wissen, dass Sie gefragt sind und wollen für sich das Optimale erreichen.“

Wer verstehen will, wie sich der Arbeitsmarkt im Gastgewerbe gewandelt hat, sollte sich damit beschäftigen, wo junge Fachkräfte heute suchen: 50% Online und 50% schriftliche Bewerbungen halten sich erstaunlicher Weise die Waage. Darüber hinaus geht der Branchennachwuchs auf Jobbörsen oder besucht Career Centers an Universitäten. Das Portal der Agentur für Arbeit hingegen steht nicht auf der Hitliste. Für einen überzeugenden Eindruck ist „face to face“ nach wie vor sehr wichtig, während Printmedien nur noch regional von Bedeutung sind.

Für den Unternehmer bedeutet der Wandel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt: er muss sich gut aufstellen, damit er in Zeiten steigenden Wettbewerbes überhaupt gefunden wird. Unterschätzt wird oft die Performance der eigenen Website – sie sorgt für Initiativbewerbungen! Und dann heißt es zugreifen: junge Menschen von heute erwarten auf eine Bewerbung sofortige Reaktion, was mit der Bewerbung geschieht, d.h. ein aktives Feedback. Ihre eigene Planung und Festlegung fällt dann aber eher kurzfristig aus. Schnuppertage als Entscheidungshilfe sind für beide Seiten o.k., da war sich die Diskussionrunde einig.

FCSI Beraterin Maria-Luise Gerber ist seit vielen Jahren in der Branche zuhause. Sie empfiehlt einen Maßnahmenplan nicht nur zur Mitarbeitersuche, sondern auch zur Mitarbeiterpflege. „Toll wenn jung ausgebildete Mitarbeiter ihre Wanderjahre machen und das Unternehmen nach der Ausbildung verlassen, um viel zu lernen.“ Umso wichtiger für den Arbeitgeber ist es aber aus ihrer Sicht hinterher, mit seinen „Ehemaligen“ zu Netzwerken, um sie später wieder zurück zu bewegen oder sie als Kontaktpersonen für neue Mitarbeiter zu gewinnen. Die neuen Medien bieten dafür optimale Möglichkeiten. Auch ein wiederkehrendes Treffen der ehemaligen Mitarbeiter ist eine Möglichkeit, sich als Arbeitsgeber im Gespräch zu halten. Saisonabhängige Betriebe können sich in Regionen mit einer Gegensaison schlau machen, um so an Mitarbeiter ranzukommen.“

Ein Fazit der Teilnehmer am FCSI Talk  zum Thema „Arbeitnehmermarkt Gastgewerbe“: Wichtig ist es, die Motivation potentieller Nachwuchskräfte zu verstehen. Arbeit als Broterwerb ist ein Konzept, das für weite Teile der Generation Y nicht mehr gilt. Sie suchen Erfüllung in ihrem Job, sie wollen Selbstverwirklichung. Gerade in der Gastronomie geht es aber auch darum, Leben mit der Familie, unterwegs sein mit der Clique und Arbeiten zu unterschiedlichen Zeiten zu vereinbaren. Wer unzufrieden ist, diskutiert nicht lange, sondern geht, denn er muss nicht lange suchen.

Deshalb gilt das einfache Rezept: Mitarbeiter binden statt Mitarbeiter finden. Dazu beitragen können Flexibilität, Authetizität und neue Perspektiven. Über Weiterbildung braucht man nicht diskutieren – sie ist längst Standard, und das nicht nur für den Nachwuchs. Der hohe Stellenwert von Mitarbeitermotivation gilt gleichermaßen für alt und jung. Ein schönes Beispiel lieferte Hotelier und Gastwirt Ralf Weißmann, der seinen Küchenchef als Dank für 10 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit gemeinsam mit der Ehefrau für einen Woche auf die AIDA schickte. Eine gute Gelegenheit, frischen Wind in den Kopf zu bekommen und neue Kraft zu tanken. Querdenken war schon vor 25 Jahren die Devise des heute erfolgreichen Gastronom, als der gelernte Dachdecker nach der Wende das Hotel Linde in der Nähe von Potsdam erwarb und anschließend noch eine Kochlehre absolvierte. Heute nennt er das : „25 Jahre Gastfreundschaft mit klarer Vision!“

FCSI Talk Intergastra

Die Diskussionsrunde beim FCSI Talk
(von links nach rechts)
Ralf Weissmann, www.linde-wildenbruch.de
Stefanie Stamm, Hofa HD Studentin, www.facebook.com/steffi.stammbo
Tobias Pieper, www.arbeitsagentur.de
Maike Nuyken und Marius Zürcher, www.fifteentwenty.eu

Die Moderatorinnen:
Iris Schmid FCSI (im Bild links) www.irisschmid.de
Maria-Luise Gerber FCSI (im Bild rechts) www.unternehmensberatung-gerber.com